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TV-Kommentar : Wieder besser fernsehen

Um den Lizenzumzug von Sat.1 gab es acht Jahre lang Streit vor Gericht. Bild: Reuters

Schlechter als ARD und ZDF: Wer das Niveau von Pro Sieben und Sat 1 sieht, zahlt dann doch lieber Gebühren. Ist Besserung in Sicht?

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          Der Abgesang auf das eigene Programm hat bei der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 vor acht Jahren begonnen. Damals verkaufte der frisch ernannte Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling den Nachrichtenkanal N24 und räsonierte öffentlich darüber, dass die eigenen Sender weitgehend oder ganz ohne Nachrichten auskommen sollten. Zu hoch seien die Kosten dafür. Nun war sein Fernsehkonzern ein Sanierungsfall und er selbst ein Nobody in der glitzernden Medienindustrie. Ebeling hatte zuvor in der Konsumgüterindustrie gearbeitet, bei dem Zigarettenkonzern Reemtsma und bei dem Getränkehersteller Pepsi, und danach beim Pharmakonzern Novartis in der Schweiz. Dass so jemand sagte, Nachrichten seien vor allem schön für das Image von Politikern, wurde mit seiner Unkenntnis entschuldigt. Dass Ebeling gleichzeitig mit den Zukäufen junger Internetgesellschaften einen atemberaubenden Aufstieg des börsennotierten Konzerns einleitete, freute – vorübergehend – die Aktionäre.

          Kein eigener Nachrichtensender mehr, wie ihn sich der Konkurrent RTL mit N-TV leistet, keine Fußball-Champions-League, kaum noch neue, selbstproduzierte Serien, stattdessen Internetreiseportale, Online-Spiele und Shopping-Plattformen. Damit sollte Pro Sieben Sat 1 unabhängiger vom schwankenden Fernsehwerbegeschäft werden, und diese Strategie ging auch viele Jahre lang gut. Aber auf die Dauer vergrault man damit die Zuschauer, selbst die „etwas fettleibigen“ und „etwas ärmeren“, über die Ebeling kurz vor seinem vorzeitigen Abschied noch so despektierlich gesprochen hatte. Unter Ebelings Regie sind die Sender von Pro Sieben Sat 1 zu einer Abspielstation von amerikanischen Krimiserien und billigen Realitysoaps verkommen.

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