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Deutsche Bank : Wie lange hält sich Achleitner noch?

Bild: EPA

Auch an Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird die Kritik immer größer. Alles, was sich an John Cryan aussetzen lässt, gilt mindestens in gleichem Maße für seine Regentschaft. Ein Kommentar.

          Führungswechsel in der Deutschen Bank gehen schon lange nicht mehr reibungslos vonstatten. Der Rummel, der in den vergangenen Tagen rund um die Suche nach einem Nachfolger für den glücklosen Vorstandschef John Cryan losgebrochen ist, setzt eine traurige Tradition fort: am Ende sind viele Namen genannt und verbrannt, und wie nun Marcus Schenck wenden sich viele Manager düpiert von der Bank ab. Ähnlich lief das auch schon vor dem aktuell amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner. Aber nach drei Wechseln an der Unternehmensspitze innerhalb von nur sechs Jahren und dem unrühmlichen Abgang des internen Chefaufklärers Georg Thoma in der Zwischenzeit, hat der Österreicher in dieser Disziplin ein besonders unglückliches Händchen bewiesen.

          Einst gefeiert für seine gute Vernetzung in der deutschen Wirtschaft und sein diplomatisches Geschick, wird unter den Investoren der Bank die Kritik an Achleitner lauter. Schließlich gilt alles, was sich an John Cryans drei Jahren in der Bank aussetzen lässt, mindestens in gleichem Maße für Achleitners Regentschaft: der Aktienkurs mehr als halbiert, der Börsenwert im Vergleich zu anderen internationalen Großbanken ein Witz, ein Quartalsverlust jagt den nächsten. Dass sich ein Unternehmen im Sinne seiner Aktionäre entwickelt, dafür soll eigentlich der Aufsichtsratsvorsitzende Sorge tragen. Vor allem aber, dass die Bank auch zehn Jahre nach Ausbruch der großen Finanzkrise kein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden hat, muss auch Achleitner auf sein Konto nehmen.

          Achleitner dürfte klar sein, dass die Berufung von Christian Sewing der allerletzte Versuch ist, den die Eigentümer der Bank ihm gewähren. Sollte hinter der Berufung des soliden deutschen Bankkaufmanns tatsächlich die Erkenntnis stehen, dass die Bank nicht mehr auf Teufel komm raus in der Topliga der amerikanischen Investmentbanken mitspielen muss, wäre schon einiges gewonnen. Der Ausflug an die Wall Street hat die Bank schon viel Geld gekostet – allein die Boni für die Spitzenverdiener dort ließen sich an anderer Stelle besser investieren. Auch in dieser Hinsicht hat Achleitner allerdings gerade schon wieder ein Signal gegeben, das in die entgegengesetzte Richtung zeigt – und in Person des früheren Merrill-Lynch-Chefs einen der schlimmsten Boni-Ritter aller Zeiten in seinen Aufsichtsrat gerufen.

          Bislang stehen die Großinvestoren hinter Achleitner. Sollte Sewing nicht bald für eine Wende sorgen, könnte die Treue bald vorbei sein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

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