https://www.faz.net/-gqe-8hav9

Kommentar : VWs doppeltes Gesicht

Die VW-Manager bekommen ihre üppigen Gehälter weiter, die Arbeitnehmer machen ebenfalls keine Zugeständnisse - das zeigt: Die alten Seilschaften funktionieren immer noch. Bitter.

          Japaner, heißt es, hätten ein doppeltes Gesicht. Wenn das stimmt, dann hat Volkswagen seinen Konkurrenten Toyota um Längen geschlagen. Auf der einen Seite mahnt Konzernchef Müller zu höheren Renditen und zum Mut zur Veränderung. Auf der anderen Seite zeigt die überraschend schnelle Einigung von VW und der IG Metall, wie tragfähig die alten VW-Seilschaften noch sind - in denen Management, der Porsche-Clan, Gewerkschaft und das Land Niedersachsen ihre Interessen austarieren.

          Welches Gesicht soll VW in Zukunft haben? Nachdem sich die Manager vehement gegen jede Kürzung ihrer üppigen Zahlungen gewehrt haben und ihnen die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat nicht widersprochen haben, ist es keine Überraschung, dass nun trotz Abgasskandal und notwendiger Milliardeninvestitionen in die Digitalisierung auch die Beschäftigten keine Zugeständnisse machen. Die alten Strukturen funktionieren.

          Kein Wunder, denn schließlich sind auch die neuen Herren bei VW in ihnen groß geworden. Quereinsteiger und Störenfriede stören da. VW-Markenchef Herbert Diess, der von BMW kam, um VW profitabler und effizienter zu machen, bekam das schnell zu spüren. Er verkörpert das zweite Gesicht von VW. Das eine sagen, das andere tun - genau so funktioniert das doppelte Gesicht. Und VW zeigt Toyota, wie man es richtig macht.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ausstand bei Amazon Video-Seite öffnen

          Tarifkonflikt seit 2013 : Ausstand bei Amazon

          Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert in Deutschland bereits seit 2013 an. 300 Mitarbeiter sind am Dienstag wieder in Werne auf die Straße gegangen. Die Kunden müssten sich keine Sorgen um ihre Geschenke machen, erklärte das Unternehmen.

          Topmeldungen

          Daumen hoch? Von wegen: Der Tech-Konzern zeigt einmal mehr, wie man sich nicht anständig verhält.

          Neuer Datenmissbrauch : Facebook ist von innen faul

          Fast jede Woche kommen neue Belege für ein ruchloses Verhalten von Facebook ans Licht. Jetzt wird bekannt, dass der Konzern munter Daten mit mehr als 150 Unternehmen geteilt hat – ohne Einverständnis seiner Nutzer. Apple zeigt, wie es besser geht. Ein Kommentar.
          Altes Eisen: Auf einem Autofriedhof im Ruhrgebiet stapeln sich ausgemusterte Fahrzeuge – kommen bald noch mehr dazu?

          FAZ Plus Artikel: Neue CO2-Grenzwerte : Das Ende des Autos, wie wir es kennen

          Bis zum Jahr 2030 soll der CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen um 37,5 Prozent sinken. Die Industrie hält das für „total unrealistisch“ – und warnt vor Arbeitsplatzverlusten im sechsstelligen Bereich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.