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Kommentar : Unter Zugzwang

  • -Aktualisiert am

Es liegt nicht am laufenden Geschäft, dass die Bahn Verlust schreibt. Der Konzern steht vor großen Herausforderungen - und Bahnchef Grube muss jetzt liefern.

          1 Min.

          Ja, man sollte unterscheiden. Die Bahn ist 2015 nicht durch das laufende Geschäft so tief in die roten Zahlen gerutscht. Es waren vielmehr Abschreibungen auf Vermögenswerte, die aktuell viel weniger wert sind, als sie es einmal waren. Doch der Konzern leidet natürlich nicht nur unter finanzwirtschaftlichen Problemen, er steht vielmehr vor sehr handfesten ökonomischen Herausforderungen.

          Fachlich nüchtern und herrlich verklausuliert formuliert das Finanzvorstand Richard Lutz: Die Produktqualität entspreche nicht mehr den Erwartungen des Marktes, und die Kosten beziehungsweise die Kostendynamik korreliere nicht mehr mit der Zahlungsbereitschaft der Kunden. Auf gut deutsch: Das Angebot ist mies und zu teuer. Das hat Bahnchef Rüdiger Grube im vergangenen Jahr erkannt und – viel zu spät, sagen Kritiker – gegengesteuert.

          Erste kleine Erfolge sind spürbar. Kunden sind auf großen Bahnhöfen dank neuer Zugzielanzeiger etwas weniger verwirrt als früher. Die Pünktlichkeit ist gestiegen, weil fahrplanmäßig abfahrende Züge inzwischen als Verantwortung aller Mitarbeiter gesehen werden. Aber die Konkurrenz überholt weiter, sei es auf der Schiene, sei es auf der Straße. Es gibt noch viel zu tun. Denn noch einmal kann sich Grube nicht hinstellen und verkünden, leider seine Ziele nicht erreicht zu haben.

          Jahreszahlen : Deutsche Bahn macht 2015 Milliardenverlust

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

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