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Kommentar : Südkoreanische Mogelpackung

  • -Aktualisiert am

Samsung nimmt das neue Galaxy Note 7 komplett vom Markt. In Europa wird es gar nicht erst verkauft. Bild: Reuters

Samsung nimmt das Galaxy Note 7 vom Markt. Das ist ein Debakel für den südkoreanischen Hersteller - mit Folgen für das ganze Land.

          „Südkorea ist wie eine Mogelpackung. Es gibt wunderschön eingepackte Geschenke, die sich beim Öffnen als Enttäuschung entpuppen.“ Mit diesem Vergleich beschreibt ein langjähriger Beobachter das Land. Samsungs Galaxy Note 7, das brandgefährliche Smartphone des erfolgreichen Elektronikkonzerns, hat sich als solch eine südkoreanische Mogelpackung erwiesen. Die Produkteinstellung nur wenige Wochen nach Verkaufsbeginn zeigt, dass Samsung die technische Seite dieses Mal nicht im Griff hatte. Das ist fatal. In jahrzehntelanger Arbeit hatte Samsung den Ruf des Herstellers von billiger Massenware abgelegt und sich eine Stellung als Unternehmen mit innovativen und exzellenten Produkten erarbeitet. Dieser Ruf ist nun schwer beschädigt. Samsungs erste fixe Fehlerdiagnose, die zum Rückruf und Austausch führte, traf offenbar den Kern des Problems nicht. Der absehbare Vertrauensverlust folgt dem Motto: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Darin unterscheidet sich dieses Debakel von Fehlern der Konkurrenz.

          Es ist unwahrscheinlich, dass die Verbraucher den Vorfall schnell vergessen. Samsung wird es so noch schwerer als bisher fallen, für seine Spitzenprodukte Premiumpreise zu verlangen. Der Gewinnmarge, mit der Samsung dem großen Rivalen Apple so hinterherhinkt, wird das nicht gut tun.

          Über die Gründe des Debakels lässt sich nur spekulieren. Eine Theorie besagt, dass Samsung die Entwicklung besonders schnell vorantrieb, um in diesem Jahr Apples iPhone zuvorzukommen. Das wäre im Kern ein Managementversagen und Zeichen des Hochmuts. Damit einher geht, dass Firmenchef Lee Kun-hee seit mehr als zwei Jahren an das Bett gefesselt ist; seine strenge Hand fehlt. Der designierte Nachfolger, Lee Yae-yong, muss erst noch beweisen, dass er in die großen Fußspuren des Vaters treten kann. Zu simpel wäre der Versuch, das Produktdebakel mit der undurchsichtigen Unternehmensführung der Gruppe zu begründen. Diese hat Samsung nicht davon abgehalten, zur Weltspitze und zu einer Größe aufzusteigen, die für Südkorea mehr als bedeutsam ist. Die Gruppe trägt gemessen am Umsatz rund 20 Prozent zur Wirtschaftsleistung Südkoreas bei. Samsungs Mogelpackung kann sich so als problematisch für das ganze Land erweisen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

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