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Kohle-Förderung in Australien : Siemens am Pranger

Klima-Aktivisten demonstrieren in Hamburg gegen die Pläne von Siemens in Australien. Bild: Reuters

Selten ist das Dilemma zwischen wirtschaftlichen Interessen und Klimaschutz so deutlich geworden wie aktuell bei Siemens. Die berechtigten Forderungen einer jungen Generation prallen mit den genauso berechtigen Anliegen von Aktionären und Beschäftigten zusammen.

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          Die deutsche Politik hat ihre Lektion von Fridays for Future schon vergangenes Jahr erteilt bekommen. Sie müht sich, die Belange junger Klimaaktivisten ernst zu nehmen und mit mehr oder weniger großem Erfolg ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie der Erderwärmung konsequent begegnet werden kann. Jetzt ist die Wirtschaft dran. Klima- und Umweltaktivisten haben sich Siemens auserkoren.

          Die deutsche Industrie-Ikone steht nun auch immer mehr international im Kreuzfeuer der Kritik, weil mit einem kleinen Auftrag zur Lieferung von Zugtechnik über 18 Millionen Euro der Hebel gefunden worden ist, das seit Jahren von Umweltschützern bekämpfte gigantische Kohlebergbauprojekt Adani in Australien zu verhindern. Zuletzt nahm der öffentlich angeheizte Druck auf Siemens zu, einen im Dezember unterschriebenen Vertrag zu brechen – und die Signaltechnik nicht zu liefern. Das Kalkül: Gibt es diese nicht, kann keine Kohle von der Mine zum Hafen transportiert und damit auch nicht gefördert werden. Doch Siemens-Chef Joe Kaeser hält an dem Vertrag fest. Denn sonst würde das Unternehmen als bislang geschätzter Geschäftspartner bei den Kunden als unzuverlässiger Umfaller diskreditiert. Er müsste um neue Aufträge bangen.

          Selten ist das Dilemma zwischen wirtschaftlichen Interessen und Klimaschutz so deutlich geworden. Erst einmal gescheitert sind die Versuche von Kaeser, Siemens als nachhaltiges Unternehmen zu präsentieren, das von 2030 an CO2-neutral agieren will. Die berechtigten Forderungen einer jungen Generation prallen mit den genauso berechtigen Anliegen von Aktionären sowie Hunderttausenden von Beschäftigten zusammen. Die Herausforderungen betreffen nicht nur Siemens, sondern alle Unternehmen in Deutschland und der Welt. Völlig neue Grenzen müssen gesteckt werden, um alle Existenzfragen zu beantworten. Da wird eine Konfrontation wie die derzeitige wenig helfen. Was die Politik noch lernt, wird in der Wirtschaft wohl noch schneller geschehen müssen – wie die außer Kontrolle geratene Dynamik um Siemens zeigt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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