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Daimler-Kommentar : Schallende Ohrfeige

  • -Aktualisiert am

Weiß Daimler-Chef Zetsche eigentlich noch, was in seinem Unternehmen vor sich geht? Der angeordnete Rückruf wird teuer für das Unternehmen, dabei hätte es noch schlimmer kommen können.

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          Der Daimler-Chef Dieter Zetsche trägt seit fast drei Jahren ein Mantra vor sich her. Schon kurz nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals hatte Zetsche gesagt, sein Unternehmen manipuliere nicht und betrüge nicht. Seit Montagabend stehen solche Aussagen in einem ganz anderen Licht. Daimler muss eine Dreiviertelmillion Dieselautos in Europa zurückrufen, davon fast eine Viertelmillion in Deutschland. Das Unternehmen hat aber Glück, dass der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sein zwischenzeitlich kolportiertes Vorhaben offenbar nicht wahrmacht, von Daimler ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro je Fahrzeug zu verlangen. Das wäre richtig teuer für den Stuttgarter Konzern geworden. Die Anordnung des Rückrufs durch das Verkehrsministerium ist aber auch so schon eine schallende Ohrfeige für Daimler, wenngleich der Rückruf nicht das Ausmaß hat wie im Falle Volkswagen.

          Es ist auch ein Schlag für Zetsche persönlich. Er muss sich wie schon viele VW-Manager fragen lassen, ob er eigentlich weiß, was in seinem Unternehmen vor sich geht. Es hilft ihm nicht, dass der Konzern offene Rechtsfragen in einem Widerspruchsverfahren klären lassen will. Zwar hat Daimler das gute Recht, Widerspruch einzulegen. Ob es damit seinen Ruf aufbessert, darf aber bezweifelt werden.

          Der Fall Daimler wie auch der des Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler zeigen, dass das Diesel-Debakel der deutschen Autobranche einfach kein Ende nehmen will. Das ist inzwischen aber nicht nur eine Herausforderung für die Konzernchefs. Auch die Beschäftigten von Daimler fürchten schon um den Ruf ihres Arbeitgebers und machen dieser Furcht Luft. In Ingolstadt herrscht ebenfalls Unruhe, in Wolfsburg sowieso. Das verwundert nicht, denn am Ende geht es nicht um die Stadlers oder Zetsches, es geht um Tausende Arbeitsplätze und die Existenzen, die davon abhängen.

          Umso wichtiger ist, dass die Führungsetagen befolgen, was sie selbst vollmundig versprochen haben, was ihnen aber trotzdem der BDI-Präsident Dieter Kempf jetzt wieder in Erinnerung ruft: Sie müssen Fehler eingestehen, sie müssen sich dafür entschuldigen und, wo nötig, auch die Verantwortung übernehmen. Warum braucht es eigentlich fast drei Jahre nach dem Ausbruch des VW-Dieselskandals immer noch solche Wortmeldungen? Weil offensichtlich das Gefühl vorherrscht, dass die Botschaft immer noch nicht angekommen ist.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

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