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Potash will K+S nicht mehr : Die Nicht-Fusion

Rohsalz-Großbunker des Kaliwerks Werra: Das Abbaugebiet der K+S-Werke liegt bis zu 1200 Meter unter der Oberfläche. Bild: dpa

Der Düngemittelhersteller K+S bleibt hessisch. Der kanadische Konkurrent Potash hat seinen Übernahmeplan zurückgezogen. Ist das gut oder schlecht?

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          So enttäuscht war Jochen Tilk, dass er in seinem Brief an den K+S-Vorstand den Namen eines Vorstandsmitglieds falsch schrieb. Ein kurioser Lapsus, der dem Leiter des Salzkonzerns Potash da unterlief – gehen solch hochoffizielle Dokumente doch zur Kontrolle durch allerlei Konzernabteilungen. War der Deutsche an der Spitze des kanadischen Konzerns von Emotionen übermannt? Jedenfalls hat Tilk seinen Übernahmeplan nach eigenem Bekunden „mit einiger Enttäuschung“ zurückgezogen.

          Potash wollte K+S für knapp 10 Milliarden Euro kaufen. K+S lehnte ab, bekam Unterstützung der Politik. Ein Ringen zeichnete sich ab zwischen einem ausländischen Bieter und einem börsennotierten deutschen Schwergewicht, wie es das seit 15 Jahren nicht mehr gab; im Jahr 2000 warb Vodafone erfolgreich um Mannesmann.

          Anders als Vodafone hat Potash nun aufgegeben. Ist das gut oder schlecht? Zunächst einmal kann Potash schwerlich über eine Blockade oder über Protektionismus jammern: 2010 sollte der Konzern selbst übernommen werden, von Australiern. Potash wehrte sich, die kanadische Regierung legte ein Veto ein. Grund: das nationale Interesse.

          Aus der Perspektive des Shareholder Value, also der reinen Orientierung an Aktionärsinteressen, fällt das Urteil gemischt aus: Anteilseigner von K+S leiden. Jene von Potash, die seit der Offerte gut ein Drittel Wertverlust erlebten, atmeten am Montag auf.

          Differenziert auch das Bild aus der Perspektive des Stakeholder Value, also der Orientierung an den Interessen aller am Wirtschaftsgeschehen Beteiligter. Es macht einen Unterschied, ob Kassel oder Kanada über Produktionsstätten und Arbeitsplätze entscheiden. Erfahrungsgemäß schont eine Zentrale ihre Heimatstandorte eher. Doch übernehmen auch deutsche Unternehmen andere im Ausland, auch feindlich – siehe BASF im Fall Engelhard. Da muss man vice versa Offerten von jenseits der Grenzen ertragen.

          Abraumhalde des K+S-Kaliwerks Werra im hessischen Philippsthal.

          Das schwerwiegendste Argument gegen eine Fusion kommt aber aus der Ecke eines anderen Stakeholders: des Kunden und damit letztlich des Verbrauchers. Im Kalimarkt herrscht ein Oligopol, wie sich vor zwei Jahren zeigte, als ein russisch-weißrussisches Kartell zerbrach – und die Kalipreise sofort abstürzten.

          Schon vor knapp 20 Jahren untersagte die Kartellaufsicht daher Potash, K+S zu übernehmen. Zwar seien beide Anbieter in unterschiedlichen Regionen unterwegs. Doch wachse die Marktmacht, wenn die Zahl der global dominanten Unternehmen weiter schrumpfe. An diesem Befund hat sich nichts geändert.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

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