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Kommentar : Macht das Internet die Hotels billiger?

  • -Aktualisiert am

Das Kartellamt untersagte kurz vor Weihnachten Bestpreisklauseln auf booking.com Bild: Picture-Alliance

Drei Klicks im Netz und schon ist der Urlaub gebucht. Durch den Wegfall der Bestpreisklauseln kann das jetzt komplizierter werden. Trotzdem profitiert der Verbraucher.

          Wie buchen Sie diesen Winter Ihren Skiurlaub? Vermutlich machen Sie es wie viele andere Leute: Sie klicken eines der drei führenden Hotelportale an (HRS, Booking.com oder Expedia), achten auf Lage, Preis, Bewertungen und Schneesicherheit (in diesem Winter besonders wichtig) und schlagen dann zu. Einfacher und transparenter geht’s nicht.

          Verführerisch ist vor allem die sogenannte Bestpreisgarantie, im Fachjargon „Meistbegünstigungsklausel“ genannt. Damit versprechen die Portale ihren Kunden, dass sie sich den Preisvergleich getrost schenken können. Denn sie verpflichten die Hotels, den günstigsten Zimmerpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die günstigsten Buchungs- und Stornierungskonditionen anzubieten. Ein Anruf beim Hotel oder ein Klick zu einem anderen Portal erübrigt sich.

          Doch der Charme der Bestpreisgarantie ist trügerisch. Sie läuft in Wirklichkeit auf ein Wettbewerbsverbot hinaus, das dem Hotel oder anderen Portalen untersagt, Preise frei zu vereinbaren und zu unterbieten. Die Wirkung der Bestpreisgarantie muss man sich ungefähr so vorstellen wie bei der Buchpreisbindung: Der Kunde kann zwar sicher sein, dass der neue Roman von Cornelia Funke nirgendwo billiger ist als in seiner Stammbuchhandlung. Aber das ist gerade das Problem, hätte er doch einen Vorteil, wenn die Konkurrenz ihm sein Buch billiger schicken dürfte. Was auf den ersten Blick wie ein Vorteil für den Kunden daherkommt, ist in Wirklichkeit ein gravierender Nachteil.

          Marktmacht im Internet wird überdramatisiert

          So oder ähnlich laufen auch die Überlegungen beim deutschen Kartellamt, das kurz vor Weihnachten die Bestpreisklausel bei Booking.com als kartellrechtswidrig untersagt hat, wie früher schon bei HRS. Die Behörde erklärte lapidar, ein erkennbarer Vorteil für den Verbraucher sei damit nicht verbunden. Im Gegenteil: Die Garantie lullt Verbraucher ein und führt zu einem Machtgewinn der Portale. Denn die sogenannten Netzwerkeffekte bringen eine Rückkoppelung mit sich. Je mehr Hotels ein Portal unter Vertrag hat, umso mehr Kunden lockt es an und umgekehrt. Das führt auf Dauer zu einer Monopolstellung des Portals, das dann die Macht hätte, Wucherprovisionen zu verlangen. Diese Gefahr soll nun gebannt sein. Bis Ende Januar muss die Garantie aus den Verträgen und allgemeinen Geschäftsbedingungen verschwinden. Konsequenterweise muss das Verbot dann baldmöglichst auch auf Expedia ausgeweitet werden.

          Wäre die Welt einfach, wäre dieser Kommentar nun zu Ende. Aber es ist eben nicht ganz so leicht, wie es scheint, die Guten und die Bösen zu scheiden. Gewiss gibt es die Gefahr des Missbrauchs von Marktmacht durch die Internetgiganten. Aber vergessen wir dabei nicht deren Nutzen: Die Folgen eines Verbots der Preisgarantie sind künftig weniger Transparenz und mehr lästige Suchkosten für die Hotelgäste einerseits, dramatisch höhere Werbekosten für die Herbergen andererseits.

          Marktmacht im Internet wird heutzutage rasch überdramatisiert, nicht nur von Verschwörungstheoretikern, sondern auch von Kartellbehörden. Als Konkurrenzunternehmen in der Bettenvermittlung kann man mit Fug und Recht etwa Airbnb betrachten, das praktische Zimmervermittlungsportal, aber auch Ebay, Google oder Amazon. Sie alle werden auf mittlere Sicht schon dafür sorgen, dass Booking.com & Co. nicht überziehen. Auch die großen internationalen Hotelketten mit eigenen Internetauftritten sind nicht gezwungen, sich von den Portalen knebeln zu lassen. „Wer schützt das kleine Familienhotel?“, jault dann sofort der Gaststättenverband. Er verschweigt freilich, dass gerade diese Hotelspezies am meisten von Buchungsportalen im Netz profitiert.

          Es bleibt dabei: Wer den Preiswettbewerb erstickt, schadet den Verbrauchern. Doch ist es allemal freiheitlicher, bessere Preise über den Markt und freche Konkurrenten zu erzwingen als über den Eingriff von Behörden. Gerade hier hat sich die digitale Welt bislang nicht lumpen lassen.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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