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Glyphosat-Kommentar : Grünes Biergift-Theater

  • -Aktualisiert am

Müssen wir um unser Bier fürchten? Wohl nicht. Bild: dpa

Wirklich gesundheitsschädigend ist das Glyphosat im Bier nicht. Viel schlimmer ist die rufschädigende Wirkung solcher Kampagnen.

          Die Diskussion über das Pestizid Glyphosat nimmt Züge eines absurden Theaters an. Alle Wochen wieder öffnet sich der Vorhang der Medien für neue Gift-Warnungen. In Getreide, Brot, im Urin, im Bier ist das Pestizid zu finden. Einige Stunden oder Tage später liefert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dann eine wissenschaftlich seriöse Einordnung nach: Die gemessenen Werte liegen mal vielhundert-, mal mehr als tausendfach unter denen, die Forscher des Bundes, der Weltgesundheitsorganisation oder anderer Staaten als unbedenklich einstufen.

          Das Pflanzengift ist jahrzehntealt, es gibt Tausende empirische Studien. Je länger die Kampagne trotzdem anhält und mit willkürlich interpretierten Stichprobenfunden, grüner Gift-Rhetorik und einer gewissen Portion Hysterie flankiert wird, desto mehr drängt sich der Eindruck auf, dass sich die Grünen hier ausnahmsweise einmal ordentlich verrannt haben.

          Denn anders als etwa in der Klimapolitik, wirken sie hier wie eine Partei des Bauchgefühls und des Ressentiments, nicht wie eine der Wissenschaft. Viel schlimmer: Dieser Kampagnenstil trägt dazu bei, das Ansehen wissenschaftlicher Experten und Institutionen wie des BfR zu beschädigen. Dabei wurde dieses einst auf Betreiben der Grünen gegründet, um die Debatten über Lebensmittelsicherheit zu versachlichen.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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