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Kommentar : Goliath Porsche

Ein neuer Riese Bild: AP

Porsche wird künftig eine Holding sein, die neben dem eigentlichen Porsche-Geschäft auch die VW-Beteiligung hält und eine Struktur hat, die prinzipiell auch weitere Beteiligungen ermöglicht. Das Familienunternehmen ist jetzt endgültig nicht mehr der kleine, freche David, sondern avanciert zum Goliath, meint Susanne Preuß.

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          Die Hauptversammlung von Porsche hatte so gar nichts Feierliches. Sich komplizierte Rechtsgeschäfte beschreiben zu lassen ist nicht gerade spaßig, daher ist es nicht verwunderlich, dass sich die Reihen der Porsche-Vorzugsaktionäre früh lichteten, als über die Neugliederung des Konzerns diskutiert wurde.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Doch das Datum wird in die Geschichte des Stuttgarter Unternehmens als Zäsur eingehen, als das Ende der David-Ära: Das Familienunternehmen wird künftig eine Holding sein, die neben dem eigentlichen Porsche-Geschäft auch die VW-Beteiligung hält und eine Struktur hat, die prinzipiell auch weitere Beteiligungen ermöglicht. Dies sei zwar reine Zukunftsmusik, versuchte der Vorstandsvorsitzende zu beschwichtigen. Man müsse aber alle Eventualitäten abdecken. Ziel sei es, für die Unabhängigkeit von Porsche und Volkswagen zu sorgen.

          Nicht mehr der kleine, freche David

          Porsche ist jetzt endgültig nicht mehr der kleine, freche David, als den Porsche-Chef Wiedeking sein Unternehmen so gern charakterisiert hat. Der Sportwagenbauer ist seiner Nische entwachsen, ist Hauptaktionär bei Volkswagen geworden, einem wahren Goliath, wenn man in Wiedekings Bilderwelt bleibt. Da ist der Wunsch nachvollziehbar, die Strukturen so zu ordnen, dass bei dem renditestarken Sportwagenbauer nicht plötzlich sachfremde Interessen dominieren.

          Dies gilt umso mehr, als Porsche mit der Beteiligung an VW auch am Pokerspiel um die Neuordnung der europäischen Nutzfahrzeugbranche teilnimmt. Die Familieneigner Porsche und Piëch haben mit Gründung der Holding eine Struktur geschaffen, die auch für andere Beteiligungen Raum gibt und damit Flexibilität schafft. Den Vorzugsaktionären mag all das unheimlich scheinen. Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben sie wenig Grund, misstrauisch zu sein: allein seit dem Einstieg bei VW hat sich der Wert ihres Unternehmens verdoppelt, und das, ohne dass sie einen einzigen Cent dazu beitragen mussten.

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