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Autobauer in der Krise : Eine hart erkaufte Atempause für Opel

  • -Aktualisiert am

Opel-Neuwagen hinter der Glasfassade eines Händlers in Frankfurt. Bild: dpa

500 Millionen Euro hat der deutsche Autohersteller Opel erwirtschaftet – die Sanierung unter französischer Regie funktioniert. Doch zu Ende ist sie noch lange nicht. Ein Kommentar.

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          Es sind wirklich ermutigende Zahlen, die der französische Automobilhersteller PSA Peugeot Citroën über seine deutsche Tochtergesellschaft Opel da veröffentlicht hat: Opel hat im ersten Halbjahr ein Betriebsergebnis von gut 500 Millionen Euro erwirtschaftet. Angesichts eines Umsatzes von ungefähr 10 Milliarden Euro ergibt das eine Marge von 5 Prozent aus dem laufenden Geschäft. Die Botschaft, die PSA wohl auch zu Recht verbreiten will, lautet: Opel kann profitabel sein.

          In der Tat ist das Ergebnis bemerkenswert. Nicht vergessen werden darf: Unter dem ehemaligen Opel-Eigentümer, dem amerikanischen Autohersteller General Motors, häufte Opel in den vergangenen zwei Jahrzehnten insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar Verluste an. Zwischen dem Jahr 1999 und dem Jahr 2018 hat das Unternehmen keinen Jahresgewinn mehr erzielt, und seit dem Jahr 2011 lediglich einen einzigen operativen Quartalsgewinn, nämlich im zweiten Quartal 2016.

          Das Ende der Sanierung ist das nicht

          Zwar sagt ein positives Betriebsergebnis nicht viel darüber aus, was unter dem Strich steht. Und die PSA-Führung hält sich dazu auch bedeckt. Noch läuft die Sanierung von Opel, für die PSA im ersten Halbjahr wenigstens 244 Millionen Euro an Restrukturierungskosten ausgewiesen hat. Doch besteht nun zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Opel irgendwann auch wieder die tatsächliche Gewinnschwelle (dauerhaft) überspringt.

          Zur Freude über das Ergebnis gehört aber auch dazu, dass den Opel-Mitarbeitern dies nicht ohne Schmerzen gelang – in ganz Europa nehmen sie Einbußen hin. In Deutschland wird der Autohersteller seine Beschäftigtenzahl um 20 Prozent oder 3700 Mitarbeiter verringern. Das geschieht zwar über freiwillige Stellenabbauprogramme, aber danach wird das „neue Opel“, wie es in der Sprache von PSA heißt, nicht mehr das alte sein.

          Auch ist zu vermuten, dass einige der ausscheidenden oder in Ruhestand gehenden Mitarbeiter gerne noch geblieben wären. Nur gut, dass die Konjunktur brummt. Ein Arbeitsplatzabbau dieser Größenordnung in einem wirtschaftlichen Abschwung hätte für noch mehr Widerstand in Deutschland gesorgt als ohnehin. Der PSA-Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares tat deshalb auch gut daran, den verbleibenden Opel-Mitarbeitern für ihre Leistung zu danken.

          Allerdings ist das Ende der Opel-Sanierung wohl noch nicht erreicht. Wenn der PSA-Chef davon spricht, „erzwungene Doppelstrukturen“ zwischen PSA und Opel weiter auflösen zu wollen, kann das auch das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim noch treffen, wo 7000 Ingenieure und Techniker arbeiten. Ob Teile davon verkauft werden, ist noch offen. Der erste operative Halbjahresgewinn seit dem Sommer 2016 ist deshalb eine Atempause für Opel. Mehr nicht. Aber eben auch nicht weniger.

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