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Kommentar : Ein neuer Kronprinz für die Bahn

Volker Kefer Bild: dpa

Volker Kefer war bei der Bahn „Mister Stuttgart 21“. Nun geht er, nachdem er einen Machtkampf verloren hat. Ein neuer Kronprinz steht schon bereit.

          Die Deutsche Bahn muss sich einen neuen Mann fürs Grobe suchen. Infrastrukturvorstand Volker Kefer, der einer größeren Öffentlichkeit in der heißen Phase von „Stuttgart 21“ bekannt wurde, hat jetzt kapituliert. Er will seinen Vertrag nicht verlängern. Es wird wohl nicht lange dauern, bis ein Nachfolger gefunden ist. Sein Stuhl wackelte schon bedenklich, seit Kefer vor kurzem eingestehen musste, dass das Stuttgart-Projekt aus dem Ruder zu laufen droht. Kefers eigene Prüfung bestätigt das große Risiko und die Vermutung der Skeptiker, dass der Bahnhof teurer und später fertig wird als geplant.

          Doch nicht nur das Projekt, das ihn groß machte, treibt ihn jetzt vom Hof. Seit seiner Kür zum „Mister Stuttgart 21“ war Kefer darauf bedacht, seinen Einfluss im Konzern zu mehren. Zunächst mit Erfolg: Während interne Konkurrenten den Konzern im vergangenen Sommer verlassen mussten, avancierte Kefer zum Vize-Vorstandsvorsitzenden. Er übernahm die Verantwortung für das Programm „Zukunft Bahn“, dessen Allerweltsname die gravierenden inhaltlichen Veränderungen nur unzureichend beschreibt. Denn die Deutsche Bahn ächzt nach einigen guten Jahren unter schwachen Ergebniszahlen. Im Güterverkehr läuft es schlecht, im Regionalverkehr nicht besser.

          Im Fernverkehr kann sich die Bahn zwar über Passagierrekorde freuen, die aber mit sinkenden Gewinnen erkauft sind. Das große Ziel, in diesem Jahr vier Fünftel aller Fernzüge pünktlich fahren zu lassen, wird die Bahn wohl verfehlen. Die Fortschritte bei „Zukunft Bahn“ sind spärlich. Der Mann für schwierige Aufgaben hat hier entgegen selbstbewussten Ankündigungen wenig bewegen können. Kefer geht, die Probleme bleiben.

          Ronald Pofalla

          Weit oberhalb dieser operativen Schwierigkeiten tobt ein Machtkampf im Konzern, den Kefer nun verloren hat. Seine Machtfülle hat ihn im Konzern isoliert, und sein unverhohlener Anspruch auf den Posten von Bahnchef Rüdiger Grube ist ihm als Illoyalität ausgelegt worden. Längst steht im Vorstand mit Ronald Pofalla, dem ehemaligen Politiker mit besten Verbindungen ins Kanzleramt, ein neuer Kronprinz bereit. Da die Bahn sich wieder zunehmend als politisches Unternehmen gefällt, hat Pofalla nun die besten Chancen, Grube in nicht allzu ferner Zeit zu beerben.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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