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Streik und hohe Kosten : Die Probleme der Lufthansa

  • -Aktualisiert am

Wie bekommt die Lufthansa genug Passagiere zu akzeptablen Preisen in ihre Maschinen? Hier eine Aufnahme vom Flughafen Sarajevo. Bild: Reuters

Im kommenden Jahr muss die Lufthansa die Wende hinbekommen, ihr Chef Carsten Spohr an vielen Punkten ran. Der Arbeitskampf ist darunter eher ein kleineres Problem.

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          Alle Jahre wieder. Das ist – etwas verspätet kurz nach den besinnlichen Tagen – das ungewollte Motto bei Lufthansa. Nach Weihnachtsliedern ist der Unternehmensführung allerdings nicht zu Mute. Sie muss schon wieder einen Arbeitskampf durchfechten, wie fast jedes Jahr. Diesmal stehen ihr die Flugbegleiter gegenüber. Am Montag wird das Duell eskalieren. Dann beginnt ein dreitägiger Streik bis Neujahr bei der Lufthansa-Tochtergesellschaft Germanwings. Es ist nur eine weitere Baustelle im gebeutelten Konzern.

          Schon das ganze Jahr 2019 war für die Lufthansa ein Trauerspiel. Die Gewinne schrumpfen, einzelne Teilgesellschaften fliegen sogar Verluste ein, wie die Eurowings oder die österreichische AUA. Das ist die Folge des harten Preiskampfes am Himmel. Noch immer gibt es zu viel Angebot, vor allem durch Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair. Die wollen mit Niedrigstpreisen Marktanteile gewinnen. Da müssen die etablieren Fluglinien ihre Tickets notgedrungen ebenfalls billig anbieten. Gleichzeitig steigen die Kosten, weil Öl und damit das Flugbenzin teurer wird. Die Quittung haben die Aktionäre bekommen. Die Lufthansa-Aktie ist im Dax die zweitschlechteste in diesem Jahr. 17 Prozent ging es nach unten, während der Dax mehr als 20 Prozent zulegte.

          Im kommenden Jahr muss nun die Wende kommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr muss an vielen Punkten ran. Der Arbeitskampf ist darunter eher ein kleineres Problem, auch wenn zehntausende Passagiere von Flugausfällen und Verspätungen betroffen sein dürften. Der Knackpunkt sind nicht die Forderungen der Gewerkschaft Ufo. Zwei Prozent mehr Lohn, höhere Spesen und Zulagen und eine bessere Regelung für Saisonkräfte sollten machbar sein.

          Spohr bringt viele Maßnahmen auf den Weg

          Schwierig ist der Streit, weil die Konkurrenzgewerkschaft Verdi der Ufo Mitglieder abspenstig machen will und Ufo interne Machtkämpfe ausfechten musste. Wegen dieser internen Streitereien akzeptierte die Lufthansa lange die Ufo nicht mehr als Gesprächspartner, was die Tarifverhandlungen unnötig in die Länge zog und die Gesprächsatmosphäre vergiftet hat.

          Der Arbeitskampf brachte sogar den Personalvorstand der Lufthansa, Bettina Volkens, zu Fall. Sie verlässt die Lufthansa zum Jahresende. Spohr sollte jetzt die begonnene, aber schon wieder unterbrochene Schlichtung mit der Ufo unterstützen, mit Matthias Platzeck und Frank-Jürgen Weise stehen prominente Schlichter bereit.

          Mit den anderen eingeleiteten Maßnahmen ist Spohr auf dem richtigen Weg. Gerade hat er die kriselnde Tochtergesellschaft LSG Sky Chefs, die für das Essen an Bord zuständig ist, gegen einigen Widerstand der Belegschaft verkauft. Die verlustreiche Frachterflotte lässt er halbieren, für AUA und Eurowings legte er Sparprogramme auf, das Flugangebot wird nicht weiter ausgebaut, um den Preiskampf nicht noch mehr anzuheizen. Eine neue Vorstandsstruktur könnte mehr Effizienz in den Entscheidungen bringen.

          Der Preiskampf wird andauern

          Das Grundproblem für die Lufthansa wird aber auch 2020 bleiben: Wie bekommt sie mehr Passagiere zu auskömmlichen Preisen in ihre Maschinen? Die gerade durch das Klimapaket der Bundesregierung erhöhte Luftverkehrsabgabe hilft dabei nicht. Sie könnte eher den einen oder anderen Passagier zum Umstieg vom Flugzeug in die Bahn bewegen. Der Preiskampf wird andauern, weil die Billigflieger nicht die Kapazitäten reduzieren. Auch Insolvenzen wie die von Air Berlin oder Übernahmen haben sie bisher nicht verringert. Ob Alitalia das Jahr 2020 überlebt, wird spannend zu beobachten sein. Aber selbst wenn die Gesellschaft pleite geht, werden andere ihre Flüge übernehmen; Italien ist zu attraktiv, um das Angebot zu reduzieren. Auch Condor wird übernommen oder zerschlagen, aber die Strecken werden weiter bedient.

          Als Hoffnung für Lufthansa bleibt da vor allem, dass die Sparmaßnahmen greifen. Und dass die Weltwirtschaft 2020 wieder stärker wächst. Davon würde die Lufthansa mit ihrem internationalen Netzwerk am meisten profitieren.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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