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Kommentar : Deutsche Bank im Sturz

  • -Aktualisiert am

Die Aktie der Deutschen Bank entwickelt sich gerade noch schlechter als die Titel ihrer Wettbewerber. Bild: AP

Um das Ausmaß der Wertvernichtung der Deutschen Bank zu begreifen, muss man weit zurückgehen - bis in die achtziger Jahre. Die Boni-Banker haben sehr viel Geld verjubelt.

          Was soll man von einer Bank halten, die Kunden und Investoren versprechen muss, dass sie sich in der Lage sieht, Kredite zurückzuzahlen? Wie solide ist eine Bank, die in nur einem Monat ein Drittel und im Laufe eines Jahres die Hälfte ihres Unternehmenswertes vernichtet?

          Solch harte Fragen stellen nicht länger nur die Kunden der ein oder anderen griechischen Bank, sondern das fragen sich die Kunden der Deutschen Bank. Plötzlich schreibt der Chef der Bank, John Cryan, Durchhalteparolen an die Mitarbeiter, nachdem er zuvor kaum eine Gelegenheit ausgelassen hatte, um zu betonen, wie lausig die IT und wie schlecht die Ertragslage der Deutschen Bank sei. Nun schreibt er, das Institut sei absolut grundsolide und die Sorgen unbegründet.

          Das Problem dabei ist, dass die Soliditätsbekundungen an der Börse ihre Wirkung verfehlen. Am internationalen Markt für Kreditausfallversicherungen, der als eine Art Frühindikator für eine möglicherweise drohende Finanzkrise gilt, sind alle möglichen Risikoprämien sprunghaft teurer geworden, doch bei der Deutschen Bank hat sich die Prämie allein im Januar mehr als verdoppelt.

          Um das Ausmaß der Wertvernichtung der Bank zu begreifen, muss man weit zurückgehen. Mitte der achtziger Jahre war die Aktie zuletzt so billig wie heute. Vor acht Jahren, als die Bundesregierung hektisch Rettungspakete für notleidende Banken schnürte, ließ der damalige Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, das Publikum wissen, er würde sich schämen, wenn er Staatsgeld annehmen würde (was er in Amerika gleichwohl tat). Dreimal nahm die Bank seit 2010 an der Börse Kapital auf, insgesamt viel mehr, als sie heute noch wert ist. All das Geld wurde verjubelt, vornehmlich von Boni-Bankern in London und New York.

          Den Spekulanten überlassen

          Besserung dürfte es erst dann geben, wenn man absehen kann, dass die gigantische Bilanz der Bank nicht noch mehr Risiken verbirgt, und wenn klar ist, wie teuer all die Strafen kommen, die Ackermann und Co. aufgetürmt haben. Weil Cryan jahrelang keine Dividende zahlen will, fassen viele Investoren diese Aktie nicht mehr an.

          Deren Blick auf die Bank wird sich erst ändern, wenn man ihr Geschäftsmodell wieder versteht. Bis dahin sollte der Anleger die Aktien der Deutschen Bank den Spekulanten überlassen. Aufregung gibt es an der Börse derzeit anderswo zu Genüge.

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