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Neuer Aufsichtsrat : Die Deutsche Bank überrascht

Sigmar Gabriel zieht in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank ein. Bild: dpa

Der frühere Vize-Kanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel ist mit seinen in vorherigen Ämtern erworbenen Fähigkeiten eine gute Ergänzung für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Aber kann er das, was die Bank derzeit braucht?

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          Die Deutsche Bank ist immer für eine Überraschung gut. Die Nachricht über den Einzug des früheren Vize-Kanzlers, Wirtschaftsministers, Umweltministers und SPD-Chefs Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat gehört in diese Kategorie. Es ist eine Überraschung. Gabriel wird mit seinen Kontakten und seinen in diesen ganz unterschiedlichen Ämtern mit vielfältigen Aufgaben erworbenen Fähigkeiten eine gute, vielleicht sogar sehr gute Ergänzung für das Kontrollgremium der Deutschen Bank sein.

          Aber wofür wird er eigentlich genau berufen? Für das Ansinnen und das Bestreben der Bank, „grüner“ und damit, ganz im Trend, nachhaltiger zu sein? Für das Projekt, die Bank und damit auch gleich die gesamte Finanzindustrie wieder mehr in der deutschen Politik zu verankern, in der sie seit der Finanzkrise nicht allzu hoch im Kurs steht? Klar ist vor allem dies: Überbordende Bank-Expertise hat Gabriel nicht. Aber ist es nicht genau das, was die Bank in ihrem Umbau braucht?

          Wäre es nicht wichtig, jemanden in das Kontrollgremium zu holen, der in Sachen Digitalisierung, Geschäftsmodelle und neue Kunden Impulse von außen gibt? Es braucht doch einen Informatiker, einen Banker der neuen Zeit, vielleicht auch eine weitere Frau, die die Bank – spätestens wenn der Umbau erstmal geschafft wäre – nicht nur fit für die kommenden Jahre, sondern für Jahrzehnte machen. Dass die Bank mit dem 60 Jahre alten Gabriel einen Mann holt, der dafür keine Expertise vorweisen kann, ist vielleicht eine noch größere Überraschung als seine Nominierung.

          Türöffner?

          Zweifellos, es geht hier um den Aufsichtsrat, nicht um den operativ arbeitenden Vorstand der Bank. Aber die Diskussion über die dringend notwendige Wandlung deutscher Aufsichtsräte weg von einem männerdominierten Gremium hin zu diversifizierten, sich auch stärker operativ einbringenden Akteuren, hat die Bestellung Gabriels nicht voran gebracht.

          Spannend wird die Personalie Gabriel aber dann, wenn es genau die Kontakte eines ehemaligen Politikers sind, der in Europa die Chancen und Risiken einer europäischen Bankenkonsolidierung nicht nur bewerten kann, sondern die entscheidenden Türen öffnet. Hätte die Deutsche Bank das im Sinn, bewiese sie tatsächlich Weitblick.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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