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Carsten Knop

Kommentar : Die Antwort auf die Katastrophe

  • -Aktualisiert am

Ein Wrackteil des Germanwings-Flugs 4U9525, aufgenommen am Absturztag in den französischen Alpen. Bild: AFP

Das furchtbare Geschehen ist nicht in Worte zu fassen. Die Piloten diskutieren über die Ursachen. Und manche bleiben am Boden. Alle Flugzeugteile, die im Verdacht stehen, müssen umgehend ausgetauscht werden.

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          150 Menschen sind beim Absturz des Airbus 320 der Fluggesellschaft Germanwings ums Leben gekommen, und nicht nur die trauernden Angehörigen treibt die Frage um, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Für sie müssen die Worte des Sprechers der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig ein Horror sein: Bis zur endgültigen Klärung könnten viele Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Es kämen viele Gründe für den Absturz in Frage.

          So ist es das eine, der Opfer zu gedenken, das andere aber ist es, sich in die Tatsache fügen zu müssen, dass es selbst in unserer modernen, angeblich vollkommen vernetzten Welt Rätsel gibt, die sich so schnell nicht lösen lassen; zumal man es sich nicht einfach machen darf. Denn der Airbus 320 ist das erfolgreichste Modell des europäischen Herstellers.  Von dem Mittelstreckenflugzeug sind auf der ganzen Welt fast 3700 Stück im Einsatz.

          Vereiste Sensoren sorgten im November für Beinahekatastrophe

          Wo die Worte fehlen, kreisen die Gedanken der Fachleute daher um andere Zwischenfälle mit dem Modell, die sich in jüngerer Zeit ereignet haben: zum Beispiel um eine Beinahekatastrophe mit einem Airbus 321, der im November 2014 auf dem Weg von Bilbao nach München war. Sensoren am Rumpf waren vereist und lieferten falsche Daten über den Anstellwinkel des Flugzeugs. Die Bordcomputer leiteten einen steilen Sinkflug ein. Erst nachdem die Piloten den ersten Flugcomputer abgeschaltet hatten, reagierte das Flugzeug wieder. Ende 2014 hat wohl auch ein A320 der malaysischen Fluggesellschaft Air Asia kurz vor dem Absturz kalte und feuchte Luft durchflogen.

          Über solche und ähnliche Vorfälle sprechen am Tag des Absturzes des Flugzeugs von Germanwings viele Piloten – einige von ihnen entschieden sich dafür, mit ihren Maschinen gar nicht erst in die Luft zu gehen. Das Vertrauen bei den Passagieren fördert das nicht.

          Germanwings-Chef Thomas Winkelmann gesagt, das Flugzeug sei mit einem neuen Bordcomputer ausgestattet gewesen, der für das Problem nicht anfällig gewesen sei. Dennoch findet sich in diesen Überlegungen die Antwort auf die Katastrophe, die Airbus und die Fluggesellschaften ihren Passagieren in den kommenden Wochen geben müssen: Alle Teile, die im Verdacht stehen, dass sie einen A320 unsicher machen könnten, müssen umgehend ausgetauscht werden.

          Flugzeugabsturz : Bergungsarbeiten in den Alpen

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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