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Kommentar : Bilfinger pur

  • -Aktualisiert am

Jetzt ist Bilfingers Ertragsperle weg. Da hilft auch Finanzmathematik nicht mehr weiter.

          Keinen Monat nachdem die Opponenten im Aufsichtsrat das Handtuch geworfen haben, zerschlägt der Großaktionär Cevian den Industriedienstleister Bilfinger. Die Ertragsperle, das Geschäft mit Gebäudedienstleistungen, geht für 1,2 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT. Von dem traditionsreichen ehemaligen Baukonzern Bilfinger Berger, der über Jahre zum Dienstleister für Gebäude, Kraftwerke und Industrieunternehmen umgemodelt wurde, bleibt nur der Service für Industrieanlagen übrig.

          Eine klare Wette („pure play“), nennt der Konzern das. Das Ganze hat allerdings einen Schönheitsfehler: Für den maroden Kraftwerksservice, der seit langem zum Verkauf steht und den die meisten Investoren deshalb schon abgehakt hatten, findet Bilfinger keinen Käufer. Deshalb wandert das Geschäft wieder in die Bilanz. Abschreibungen und Sonderlasten türmen sich auf mehr als 200 Millionen Euro.

          So wird an diesem wegweisenden Tag für Bilfinger deutlich: Der Finanzinvestor Cevian kennt sich zwar mit Finanzmathematik aus, deshalb hat er einen durchaus attraktiven Verkauf ausgehandelt. Zugleich aber wurde unter ihm das Tagesgeschäft nicht weiterentwickelt. Doch dass man eine Sparte erst saniert und dann verkauft, ist eine betriebswirtschaftliche Binsenweisheit, deren Missachtung sich nun rächt. Die Ertragsperle ist weg. Jetzt hilft Finanzmathematik nicht mehr weiter.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

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