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Kommentar : Außer Kontrolle

  • -Aktualisiert am

Siemens droht in eine heikle politische Krise verwickelt zu werden. Die Verantwortlichen hätten viel sensibler sein müssen mit Blick auf die Lieferung von Gasturbinen an Russland.

          Seit langem mehren sich die Hinweise, dass die Russen etwas mit der zu ertüchtigenden Stromversorgung auf der annektierten Krim im Schilde führen. Erste Spekulationen über den Missbrauch einer Lieferung von Gasturbinen aus dem Hause Siemens für ein russisches Kraftwerk unweit der Krim gab es vor zwei Jahren. Spätestens dann hätten die Verantwortlichen sensibilisiert sein und die Einhaltung der Verträge stärker kontrollieren müssen.

          Doch hat man darauf vertraut, juristisch alles korrekt gemacht zu haben. Der Auftrag musste nicht geprüft werden, weil er nicht gegen Export-, geschweige denn Embargovorschriften verstößt. Im Vertrag gibt es die Endverbleibsklausel, die eine korrekte Verwendung sicherstellen soll. Zusätzlich wurde das Verbot fixiert, aus den Turbinen generierten Strom auf die Krim zu befördern.

          Das scheint nun Makulatur, was angesichts des taktischen Treibens der russischen Regierung in politischen und wirtschaftlichen Belangen nicht überrascht. Längst hätte Siemens ein Adlerauge auf „ihre“ Turbinen werfen müssen. Der Vertrag wurde nach der Annexion unterzeichnet, was Risiken barg.

          Nun droht der Konzern in eine heikle politische Krise verwickelt zu werden. Die Image- und Folgeschäden für einen von Auslandsaufträgen so abhängigen Konzern dürften teurer werden als das Geschäft aus der unsensiblen Lieferung von Gasturbinen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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