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Flugaufsicht gegen Boeing : Plötzlich auf Distanz

  • -Aktualisiert am

FAA-Chef Stephen Dickson im amerikanischen Kongress Bild: AFP

Lange Zeit pflegte die amerikanische Flugaufsicht ein sehr enges Verhältnis zu Boeing. Sie delegierte etliche Teile der Zulassung an den Hersteller. Jetzt geht sie merklich auf Distanz.

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          Zu den verstörendsten Erkenntnissen nach den Abstürzen zweier Flugzeuge des Typs 737 Max – dessen Produktion Boeing jetzt aussetzt – gehörte es, welch enges Verhältnis deren Hersteller Boeing zur amerikanischen Flugaufsicht FAA pflegte, also seiner wichtigsten Regulierungsbehörde.

          Nicht nur hat die FAA dem Unternehmen seit Jahren erlaubt, mit von ihm selbst bestimmtem Personal am Zulassungsprozess für Flugzeuge mitzuwirken. Im Fall der 737 Max soll sie sogar zusätzliche sicherheitsrelevante Aufgaben an Boeing-Vertreter delegiert haben, um die Zertifizierung zu beschleunigen. Entsprechend haben die Abstürze nicht nur Boeing in die Defensive gebracht.

          Rüffel von der FAA

          Umso mehr scheint die Behörde jetzt eine neue Distanz zum Unternehmen zu suchen. Sie wird in diesen Tagen nicht müde, zu beteuern, das Flugverbot erst aufzuheben, wenn auch die letzten Sicherheitsbedenken ausgeräumt seien. Erst vor wenigen Tagen bekam Boeing einen Rüffel vom FAA-Chef und wurde angewiesen, sich fortan mit optimistischen Prognosen für die Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb zurückzuhalten.

          Offenbar ist es der Behörde wichtig, ein klares öffentliches Signal zu setzen. Sie will Unabhängigkeit demonstrieren und nicht mehr angreifbar für den Vorwurf sein, Boeing Rückendeckung zu bieten.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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