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Körber geht, Cordes kommt : Neuer Chef für die Metro

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Joachim Körber wird abgelöst Bild: Edgar Schoepal

Bei der Metro AG in Düsseldorf steht ein Chefwechsel bevor: Der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber wird aus dem Unternehmen ausscheiden. Sein Nachfolger wird Haniel-Chef Eckhard Cordes. Das bestätigten Metro und Haniel am Donnerstag.

          Hans-Joachim Körber, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Düsseldorfer Metro-Konzerns, verlässt das Unternehmen. Sein Nachfolger wird Haniel-Chef Eckhard Cordes. Das teilte Haniel am Donnerstag mit und bestätigte damit Informationen der F.A.Z.. Auch Metro bestätigte den Wechsel an der Unternehmensspitze. Körber habe den Aufsichtsrat gebeten, ihn zum 31. Oktober 2007 von seinem Amt zu entbinden, teilte der weltweit drittgrößte Handelskonzern am Donnerstag in Düsseldorf mit. Der Personal- und ominierungsausschuss des Aufsichtsrats empfehle dem Kontrollgremium, einer einvernehmlichen Aufhebung zuzustimmen.

          Der ehemalige Mercedes-Manager Cordes ist Vorstandsvorsitzender des Duisburger Haniel-Konzerns, einem der Großaktionäre der Metro, und steht seit mehr als einem Jahr dem Aufsichtsrat vor.

          Haniel einflussreichster Einzelaktionär

          Dass Körber bei Metro mittelfristig ausscheiden würde, war in der Branche erwartet worden. Nicht aber, dass seine Demission so rasch erfolgt. Der Duisburger Mischkonzern Haniel hatte erst vor zwei Wochen sein Metro-Aktienpaket zu einem Kaufpreis von rund 3,5 Milliarden Euro aufgestockt und ist damit einflussreichster Einzelaktionär. Durchgerechnet verfügt Haniel heute über 34,24 Prozent, gemeinsam mit der Mülheimer Unternehmerfamilie Schmidt-Ruthenbeck werden 50,01 Prozent und damit die Mehrheit gehalten.

          Der neue starke Mann: Eckhard Cordes

          Innerhalb des Metro-Konzerns hat die Nachricht vom bevorstehenden Wechsel große Bestürzung ausgelöst. Die stärkere Einflussnahme von Cordes und damit von Haniel dürfte nämlich zu tiefgreifenden Veränderungen in der Konzernstruktur, wenn nicht am Ende sogar zu einer Zerschlagung führen.

          „Wir glauben an die Zukunft der Metro, und wir glauben, dass der Konzern noch Wertsteigerungspotential hat“, sagte Cordes anlässlich der Aktienzukäufe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ohne Tabus sollten alle wertsteigernden Maßnahmen und strategischen Optionen geprüft, entschieden und umgesetzt werden, fügte Cordes damals hinzu. Haniel selbst betreibe seit jeher ein aktives Portfoliomanagement. Der Metro-Konzern ist breit aufgestellt. Sein internationales Wachstum treiben vor allem das Cash & Carry-Geschäft sowie die Elektronikfachmärkte Media Markt und Saturn voran. Weniger Freude bereiten die Geschäftsfelder Lebensmittelhandel (Real) und Warenhäuser (Galeria Kaufhof), die ihre Kapitalkosten nicht verdienen.

          Elektronikfachmärkte an die Börse?

          Branchenkenner erwarten, dass sich das neue Management auf Dauer von unrentablen oder ertragschwachen Sparten trennen wird. Die sehr wachstums- und renditestarken Elektronikfachmärkte könnten an die Börse gebracht werden, und schließlich könnte das Cash & Carry-Geschäft bei Haniel eingegliedert werden, so werden mögliche Szenarien aufgezeichnet.

          Körber ist vor einem Vierteljahrhundert von der Oetker-Gruppe nach Düsseldorf zur Metro gewechselt. Vor knapp neun Jahren wurde ihm die Leitung des bis dahin noch stark auf Deutschland fixierten Metro-Konzerns übertragen. Seitdem hat der 61 Jahre alte Manager das Handelsunternehmen konsequent im Ausland vorangebracht. Heute gilt Metro mit 2400 Standorten in mehr als 30 Ländern und 270.000 Mitarbeitern aus 150 Nationen als eines der internationalsten Handelsunternehmen überhaupt und steht in der internationalen Branche auf Platz drei nach Walmart und Carrefour.

          Inzwischen werden 58 Prozent des Umsatzes außerhalb des Heimatmarktes erwirtschaftet. Als Körber die Führung übernahm, hatte die Metro erst zwei Jahre zuvor den Schritt an die Börse gewagt. Aus dem bis dahin noch ziemlich verschlossenen Konzern machte der als harter, engagierter Arbeiter bekannte Manager einen kapitalmarktorientierten, transparenten DAX-Wert mit einer Börsenbewertung von gut 20 Milliarden Euro und 43 Prozent Streubesitz. Die Metro-Aktie hat nach nachbörslich ihre Gewinne auf knapp 63,50 Euro ausgebaut. Ein Händler bezeichnete den Chefwechsel als vorteilhaft, weil sich Körber bisher einem Verkauf von Kaufhof widersetzt habe.

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