https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/knallende-sektkorken-zu-weihnachten-und-silvester-18485450.html

Rotkäppchen-Mumm : Knallende Sektkorken zu Weihnachten und Silvester

  • -Aktualisiert am

Blick in Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg Bild: dpa

Auf Wein und Sekt wollen viele Konsumenten nicht verzichten, so der Sekthersteller Rotkäppchen-Mumm. Das Geschäft ist stabil. Doch die Preise dürften steigen.

          2 Min.

          Wenn in wenigen Wochen zum Weihnachtsessen der Wein fließt und an Silvester die Korken knallen, endet in den Kellereien des Sektherstellers Rotkäppchen-Mumm ein Marathon. Rund 20 Prozent seines Jahresumsatzes erzielt der deutsche Marktführer für Sekt, Wein und Spirituosen traditionell allein durch das Geschäft rund um die Feiertage, auch – oder gerade – in Krisenzeiten.

          „Die Menschen suchen Halt“, sagte Christof Queisser, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rotkäppchen-Mumm, am Donnerstag. Anlass war die Präsentation einer Trendstudie zum Konsumverhalten, die das Unternehmen Ende Oktober in Auftrag gegeben hatte. Ergebnis: In unsicheren Zeiten werden traditionelle Feierlichkeiten noch wichtiger – und damit auch das gemeinsame Anstoßen. „Wir haben diesen Trend während Corona gesehen und er hat sich dieses Jahr noch weiter verstärkt“, sagte Queisser.

          „Glas ist energieintensiv“

          Auch der Sekthersteller hatte in diesem Jahr mit Lieferkettenproblemen und gestiegenen Kosten zu kämpfen, insbesondere für Glasflaschen. „Glas ist energieintensiv. Da wird so eine schwere Glasflasche in einem Jahr wie 2022 schnell doppelt so teuer“, sagte Queisser. Zwischenzeitlich sei er besorgt gewesen, dass die Glasflaschen für das Weihnachtsgeschäft nicht ausreichen könnten. „Es sah im Jahr durchaus mal sehr kritisch aus“, sagte Queisser. Die Kellereien stehen noch immer unter Druck: „Es ist verdammt knapp und ich gehe fest davon aus, dass wir bis zum 23. Dezember produzieren, damit die Flasche an Silvester geöffnet werden kann“.

          Obwohl die Kosten für die Produktion und den Transport stark gestiegen sind, zeigt sich der Vorstandschef zuversichtlich. „Als Familienunternehmen sind wir sehr langfristig orientiert und solide aufgestellt, entsprechend können wir das verkraften“, sagte Queisser. Dennoch müssten Sekt- und Weinliebhaber damit rechnen, dass ihre Lieblingsmarken im nächsten Jahr teurer werden dürften. „Wir rechnen damit, dass der Preis für eine Flasche Sekt zwischen 50 Cent und einem Euro steigen wird“.

          „Am Genuss wollen die Deutschen zu 49 Prozent nicht sparen“

          Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auch, das Rotkäppchen-Mumm trotz der Inflation nicht um die Nachfrage seiner Kunden bangen muss. „Am Genuss wollen die Deutschen zu 49 Prozent nicht sparen“, berichtet Queisser. Die meisten Verbraucher würden eher einen günstigeren Urlaub buchen oder ungenutzte Abonnements kündigen, als auf den Sekt zur Feier des Tages zu verzichten. „Die Kaufzurückhaltung ist bei Genussprodukten nicht ganz so stark ausgeprägt wie bei anderen Produkten“, ist Queisser. überzeugt. Außerdem gaben 80 Prozent der befragten Sekt- und Weintrinker an, besonders den Marken zu vertrauen, die sie schon lange kennen.

          Mit einem großen Wachstum rechnet der Vorstandschef dennoch nicht. Zwar habe die Gastronomie im Sommer davon profitiert, dass viele Konsumenten verpasste Feierlichkeiten wie Geburtstage oder Hochzeiten nachholen wollten, was sich positiv auf das Sektgeschäft ausgewirkt habe. Im Gegensatz dazu sei die Nachfrage im Herbst jedoch verhalten gewesen.

          „Bisher haben wir in Summe ein stabiles Geschäft“, ist Queisser zuversichtlich. Welche Bilanz das Unternehmen am Ende des Jahres ziehen kann, werde sich erst in den letzten Tagen der Saison zeigen. Für die diesjährigen Feiertage rechnet der Vorstandschef allerdings mit etwas schwächeren Einnahmen als üblich, weil Weihnachten auf ein Wochenende fällt. Damit blieben vielen Arbeitnehmern weniger Tage zuhause mit der Familie – und damit auch weniger Gelegenheiten, um mit einem Glas Wein oder Sekt anzustoßen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Rot, gelb, grün: SPD-Mann Axel Schäfer, der Liberale Olaf in der Beek und Max Lucks von den Grünen Ende November bei Weihnachtsgebäck im Bundestag

          Bilanz der Bundesregierung : Ein turbulentes Jahr zu dritt

          Der Bundeskanzler sprach kürzlich von der Ampel als einer WG. Wie lebt es sich da? Ein Roter, ein Gelber und ein Grüner diskutieren darüber miteinander.
          Erster Schnee: Ukrainische Soldaten schießen am 23. November auf russische Stellungen an der Frontlinie an einem ungenannten Ort im Gebiet Donezk.

          Schnee und Eis in der Ukraine : Wen zermürbt der erste Kriegswinter?

          Die Schlammperiode in der Ukraine weicht Eis und Schnee. Welcher Kriegspartei das mehr schadet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Unstrittig ist: Den Soldaten verlangt der Winter eine Menge ab.
          Die Werke von Philip Guston – hier „Ride“ von 1969 – sind trotz ihrer kritischen Befassung mit dem Ku-Klux-Klan inzwischen so umstritten,  dass Ausstellungen ausgesetzt werden.

          Identitätspolitik : Die Gedanken sind nicht mehr frei

          Die Diskursverbote bestimmten in Amerika nicht mehr nur die Verlage und Hollywood, das gesamte Bildungswesen ist davon durchdringen: Warum eine solche Identitätspolitik ein Ausverkauf der Phantasie ist. Ein Gastbeitrag des Pen America-Präsidenten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.