https://www.faz.net/-gqe-9goem

Mängel bei Kliniken : Zu Unrecht am Pranger?

Unter Beobachtung: Wie gut sind die Kliniken in Deutschland? Bild: Andreas Pein

Es herrscht Aufruhr in der deutschen Kliniklandschaft. In 73 Krankenhäusern wurden Mängel festgestellt. Kein Grund für Pauschalurteile, sagen diese.

          4 Min.

          Diese Nachricht dürfte viele Patienten verunsichert haben: 73 Krankenhäuser in Deutschland liefern in der Geburtshilfe, der Gynäkologie oder bei Brustkrebsoperationen „unzureichende Qualität“, hat das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen ermittelt. Elf eigens entwickelte Qualitätsindikatoren liegen der Bewertung zugrunde – in mindestens einer Kategorie lautete das Urteil jeweils: durchgefallen. Doch jetzt wehren sich die betroffenen Häuser. Wegen einzelner statistischer Auffälligkeiten könne nicht pauschal von schlechter Qualität die Rede sein. Zum Teil gebe es für ihr Handeln zudem medizinische Argumente, die seien jedoch nicht berücksichtigt worden.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Es herrscht Aufruhr in der deutschen Kliniklandschaft, und dafür gibt es gute Gründe. Zum einen steht die Reputation der Krankenhäuser auf dem Spiel: Patienten können sich auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses – dem höchsten Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen – nun selbst ein Bild davon machen, ob sie in dem nächstgelegenen Krankenhaus gut aufgehoben sind. Zum anderen geht es um viel Geld. Das vor zwei Jahren beschlossene Krankenhausstrukturgesetz sieht vor, dass die Qualität der Behandlung Einfluss auf die Höhe der finanziellen Mittel haben soll, die die Kliniken von den Bundesländern erhalten. Treten wiederholt Mängel auf, sollen Krankenhäuser oder einzelne Abteilungen sogar geschlossen werden können. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, Interessenvertreterin der rund 2000 Kliniken in Deutschland, verwies Anfang der Woche daher umgehend darauf, dass bei 36 der 73 betroffenen Kliniken die Behandlung von jeweils nur einem einzelnen Patienten dafür verantwortlich sei, dass man in der Statistik auffällig wurde.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Nachtclub in München: Feiern Geimpfte oder Ungeimpfte?

          Corona-Studie : An neun von zehn Ansteckungen ist ein Ungeimpfter beteiligt

          Wissenschaftler der Humboldt-Universität haben die Rolle der Ungeschützten im Infektionsgeschehen untersucht. Demnach ist die Ansteckung innerhalb der Gruppe der Geimpften gering. Maßnahmen sollte man daraus jedoch nicht ableiten.
          Neuer Impfstoff, neue Hoffnung: Eine Mitarbeiterin in London arbeitet am Novavax-Vakzin.

          Vakzin Novavax : Der Impfstoff für Impfskeptiker

          An Impfstoffen gegen das Coronavirus wird weiterhin intensiv geforscht. Der neue Hoffnungsträger von Novavax könnte sogar eine neue Zielgruppe erreichen – denn statt auf mRNA setzt er auf einen anderen „Totimpfstoff“.