https://www.faz.net/-gqe-9eikh

Kurze Route durchs ewige Eis : Containerschiff durchquert Nordostpassage

  • Aktualisiert am

Einer der russischen Tanker, die im Jahr 2012 die Nordostpassage durchquert haben. Bild: dpa

Zum ersten Mal hat es ein großes Containerschiff geschafft, ohne Eisbrecher von Wladiwostok nach St. Petersburg zu kommen. Dafür verantwortlich ist der Klimawandel. Die neue Route bringt wirtschaftliche Vorteile.

          Der weltgrößte Schifffahrtskonzern Maersk hat erstmals ein großes Containerschiff durch die Nordostpassage geschickt. Die „Venta Maersk“ nahm auf dem Weg vom russischen Wladiwostok nach Europa nicht die übliche Route durch den Suezkanal, sondern die „Abkürzung“ durch das Eismeer nördlich von Russland, wie der dänische Rundfunk berichtete.

          Am Montag war das Schiff bereits nördlich von Norwegen am Nordkap unterwegs. „Die Reise verlief ganz nach Plan und der Mannschaft geht es gut“, teilte das Unternehmen dem Sender mit. Ziel ist St. Petersburg.

          Die Nordostpassage durch das Beringmeer, vorbei am Nordpol und durch die Barentssee war bis vor kurzem nur mit Hilfe von Eisbrechern passierbar. Durch den Klimawandel wird sie besser und besser schiffbar, da das Polareis immer schneller schmilzt. Sie könnte die Reisezeit zwischen den Kontinenten um bis zu 40 Prozent verringern, was Reedereien enorme Treibstoff-Ersparnisse brächte.

          Zunächst nur ein Test

          Für Maersk ist die Fahrt nach eigenen Angaben zunächst allerdings nur ein Test und noch kein Startschuss für eine neue kommerzielle Route. Zuvor hatten bereits zwei Tanker und kleinere Frachter die Nordostpassage getestet.

          Die Nordostpassage (grüne Linie) ist durch den Klimawandel befahrbar geworden. Die rote Linie zeigt die Nordwestpassage nördlich von Kanada.

          Im Jahr 2009 durchquerte die Bremer Reederei Beluga Shipping mit zwei Schiffen und kommerzieller Ladung an Bord als erste Frachtreederei der Welt die Nordostpassage, 2013 durchfuhr als erstes Containerschiff die „Yong Sheng“ die Arktis von Dailan in China nach Rotterdam. Die Fahrt der „Venta Maersk“ ist dennoch besonders, da das Frachtschiff bedeutend schwerer ist als seine zwei Vorgänger.

          Wie stark die Erwärmung rund um den Nordpol voranschreiten wird, kann kein Klimaexperte genau sagen. Aber: „Alle sind sich einig, dass die Arktis in den nächsten 30 bis 50 Jahren eisfrei sein wird“, sagt Christian Haas, Meeris-Experte des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. „Das führt zu einem Anstieg der Schifffahrt im Allgemeinen.“ Als eisfrei bezeichnen Forscher die Arktis, wenn die Eisbedeckung im Sommer unter 1 Million Quadratkilometer sinkt. Zum Vergleich: Beim bisherigen Minusrekord im Jahr 2012 lag sie bei 3,6 Millionen Quadratkilometern.

          Die „Venta Maersk“ nahm im August von Wladiwostok aus Kurs auf Europa auf – über die Nordostpassage.

          Weitere Themen

          Männchen haben’s schwer

          FAZ Plus Artikel: Gewalt an Nutztieren : Männchen haben’s schwer

          Küken werden geschreddert, Ferkel kastriert. Und Kälbchen dürfen erst gar nicht zur Welt kommen. Wohin man auch blickt, die Männchen müssen leiden. Was würde ein Gleichstellungsbeauftragter für Nutztiere dazu sagen?

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Feinde der Freiheit

          Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten könnte der schaurige Höhepunkt einer leider nicht beispiellosen Hetze in asozialen Netzen gewesen sein. Die Urheber sind Staatsfeinde. Sie müssen bekämpft werden.
          Ein Modell des künftigen europäischen Kampfjets wird in Le Bourget enthüllt.

          Future Combat Air Systems : Europas künftiges Kampfflugzeug nimmt Formen an

          Verteidigungsministerin von der Leyen hat in Frankreich die Verträge für das milliardenschwere Rüstungsvorhaben unterzeichnet. Zuvor war ein erstes Modell des Kampfflugzeugs enthüllt worden – und Spanien offiziell eingestiegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.