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Klimaschutzpläne der EU : Wird Fliegen jetzt teurer?

Emissionen: Der Co2-Ausstoß soll für Airlines teurer werden. Bild: dpa

Die EU will den Fluggesellschaften Gratis-CO2-Zertifikate streichen. Lufthansa, Ryanair und Umweltschützer üben Kritik – mit sehr verschiedenen Argumenten.

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          Fluggesellschaften in der EU werden künftig mehr für CO2-Emissionen zahlen müssen. Die deutsche Luftfahrt kritisierte eine Übereinkunft von EU-Kommission, Europäischem Parlament und Ministerrat. Sie bedeute eine „eklatante Benachteiligung der europäischen Airlines“ gegenüber internationalen Wettbewerbern, sagte Jost Lammers, der Präsident des Branchenverbands BDL. Der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) geht die Regulierung indes nicht weit genug. Durch Untätigkeit werde beim Klimaschutz ein weiteres Jahrzehnt verloren.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unterhändler von Parlament und Ministerrat hatten sich in der Nacht zum Mittwoch darauf verständigt, dass Airlines von 2026 an in der EU keine kostenlosen Emissionszertifikate mehr bekommen – ein Jahr eher als von der Kommission vorgeschlagen. Schon 2024 sollen sie zumindest für 25 Prozent der CO2-Rechte bezahlen, 2025 für 50 Prozent.

          Der BDL kritisierte, dass die Übereinkunft die Möglichkeit vorsieht, von 2027 an Flüge zu Zielen außerhalb der EU in den Emissionshandel einzubeziehen. Das „widerspricht dem Bekenntnis der EU-Staaten zu einer möglichst wettbewerbsneutralen Klimaschutzpolitik im Luftverkehr“. Die Deutsche Lufthansa forderte die Mitgliedstaaten auf, den Kompromiss nicht zu akzeptieren, er schaffe eine „Zweiklassengesellschaft“.

          Ryanair vermisst das, was deutsche Airlines nicht wollen

          Für Fernostreisen müssten Turkish Airlines, Emirates und Qatar Airways Zertifikate nur für die Etappe bis zum Umstieg in Istanbul oder am Golf vorhalten, EU-Gesellschaften aber für den gesamten Weg. Der Billigflieger Ryanair, der keine Fernflüge anbietet, beklagte indes, dass diese vom Emissionshandel ausgenommen blieben.

          „Wieder einmal hat die Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen Familien in Europa im Stich gelassen“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary. Auf Flügen in der EU würden sie voll belastet, Fernreisende müssten keine Umweltsteuern zahlen. „Das ist eindeutig ungerecht.“ Laut T&E entstehen 58 Prozent der Emissionen von Europas Luftfahrt auf Flügen über EU-Außengrenzen.

          Für diese Flüge soll bis 2027 das von der Internationalen Luftfahrtorganisation ICAO entwickelte Corsia-System gelten. Die EU soll aber 2025 Bilanz ziehen, ob Corsia ausreicht, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen. Ist das nicht der Fall, soll die Kommission einen Vorschlag vorlegen, um Fernflüge in den Emissionshandel einzubeziehen.

          CDU-Parlamentarier sieht Ungerechtigkeit beseitigt

          Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese begrüßte die Einigung: „Viel zu lange gab es aber kostenlose Zertifikate für Flugreisen, während Bahnkunden dadurch, dass die Bahn hauptsächlich mit Strom betrieben wird, schon lange zahlen – dies war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, und es ist gut, dass die jetzt beseitigt wird.“

          Einnahmen aus der Versteigerung von Emissionsrechten sollen zumindest teilweise wieder für die Luftfahrt eingesetzt werden. So werden etwa 20 Millionen Zertifikate – zum derzeitigen CO2-Preis von 80 Euro je Tonne entspricht das 1,6 Milliarden Euro – reserviert, um den Einsatz teurerer alternativer Kraftstoffe (SAF) zu fördern, die dem Kerosin beigemengt werden müssen. Fluggesellschaften sollen Zertifikate für das Tanken von SAF erhalten. Der FDP-Europaabgeordnete Jan-Christoph Oetjen bezeichnete dies als großen Erfolg: „Der Markt muss für insbesondere E-Fuels angekurbelt und eine sichere Investitionsmöglichkeit geschaffen werden. Der Grundstein dafür wurde heute gelegt.“

          Der BDL klingt weniger zufrieden: 20 Millionen Zertifikate reichten „nicht einmal annähernd aus“, um die durch SAF entstehenden Mehrkosten zu decken. Verbände und Gewerkschaften hatten vor den EU-Gesprächen vergeblich deutschen Ministern und EU-Parlamentariern geschrieben, um den Deckel von 20-Millionen-Zertifikaten zu kippen.

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