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Kleinheizgerät „Heatball“ : Zoll hält 40.000 Glühbirnen auf

Kleinheizkörper Heatball: „Die beste Erfindung seit der Glühbirne” Bild: dpa

Kunst darf das - oder doch nicht? Der Zoll im Flughafen Köln/Bonn verweigert 40.000 „Heatballs“ die Freigabe, um ihre Produktsicherheit zu prüfen. Zwei Ingenieure wollen die Birnen als Kleinheizgeräte verkaufen - und damit gegen das EU-Glühbirnen-Verbot demonstrieren.

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          Der Zoll hat im Flughafen Köln/Bonn eine scheinbar gefährliche Sendung aufgehalten: Es handelt sich um 40.000 sogenannte Heatballs – landläufig Glühbirnen genannt. Diese Heatballs haben zwei Ingenieure für eine „Kunst- und Protestaktion“ in China herstellen lassen, um sie in Deutschland als „Kleinheizgeräte“ zu vertreiben. Die Ingenieure Siegfried Rotthäuser und Rudolf Hannot hatten mit dem Argument, ihre 100 Watt Heatballs produzierten hauptsächlich Wärme und seien daher keine Lampen, das EU-Glühbirnen-Verbot umgehen wollen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Heatball-Satire hatte in der Bevölkerung großen Anklang gefunden. Nach wenigen Tagen war die erste Auflage von 4000 „Kleinheizgeräten“ verkauft – zum stolzen Preis von 1,69 Euro je Stück, wobei Rotthäuser verspricht, 30 Cent an Projekte zum Schutz des Regenwaldes zu spenden. Nachdem verschiedene Medien über seine „Kunstaktion“ berichtet hatten, kamen über das Internet massenhaft weitere Bestellungen – insgesamt 40.000.

          Doch die Obrigkeit verstand keinen Spaß. Am Dienstag hat der Zoll nach einem Hinweis der Bezirksregierung Köln, Dezernat 55 für Produktsicherheit und Sprengstoff, die neue Lieferung mit 40.000 Heatballs gestoppt. „Wir haben nie ein Geheimnis aus unserer Aktion gemacht und ganz offen den Behörden gesagt, dass die Lieferung kommt“, sagt Rotthäuser. Aus der Bezirksregierung Köln hat er aber von „massivem Druck“ des Landesumweltministeriums erfahren. Nur so sei zu verstehen, dass das Sprengstoff-Dezernat dem Zoll eine Warnung gegeben habe, obwohl man in der Woche zuvor noch gemeinsam ein Stillhalteabkommen beschlossen habe.

          Nach Auskunft der Bezirksregierung hat der Zoll die Ware nicht beschlagnahmt; vielmehr sei nur die Freigabe „ausgesetzt“ worden, bis Proben der scheinbar gefährlichen Ware untersucht werden können. Nun werden die Kölner Spezialisten für Gefahrenabwehr bald feststellen, dass die Heatballs keinen Sprengstoff enthalten – allerdings leuchten sie. Sollten die Behörden die Objekte beschlagnahmen und die Auslieferung verhindern, sieht Rotthäuser eine Verletzung der im Grundgesetz garantierten Kunstfreiheit.

          Sein Schwager Hannot beklagt eine „Kriminalisierung.“ Ein kommerzielles Interesse habe er nie gehabt. „Ich sitze jetzt erst mal auf 30.000 Euro Kosten für die zweite Lieferung“, klagt Rotthäuser. Statt „den Märtyrertod“ wünscht er sich lieber eine neue gesellschaftliche Debatte über Sinn und Unsinn des Verbots der Glühbirne. Die nun vorgeschriebenen Energiesparlampen seien wegen ihres Quecksilberanteils hoch umweltschädlich.

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