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Klavierhersteller Blüthner : „70 Prozent der Deutschen würden gerne Klavier spielen“

Im Jahr 2008 verkaufte Blüthner 450 Flügel und 300 Klaviere Bild: dpa

Klavierbauer hatten schon bessere Zeiten: Auf sinkende Verkaufszahlen in Deutschland hat sich der traditionsreiche Klavierbauer Blüthner daher schon lange eingestellt. 90 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet. Das Unternehmen hat schon die DDR überlebt.

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          Wer den Klavierhersteller Blüthner in Großpösna nahe Leipzig ansteuert, dem kann schnell der Verdacht kommen, sich in der Adresse geirrt zu haben. Ein nüchterner Zweckbau in einem ebenso nüchternen Gewerbegebiet - nur der strahlende Sonnenschein verleiht dem Anblick etwas Glanz. Es ist kein Ort, an dem man ein altes deutsches Traditionsunternehmen erwartet, die Szenerie passt eher zu einem Reifengroßhandel. Lediglich der gläserne Pavillon, in dem ein Dutzend Flügel ausgestellt sind, deutet darauf hin, dass hier ein namhaftes Unternehmen seinen Sitz hat: die Julius Blüthner Pianofortefabrik.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Seit 1853 gibt es den Betrieb, gegründet vom Tischlermeister Julius Blüthner, gegründet in der Musikstadt Leipzig. Heute führt Ururenkel Christian Blüthner-Haessler die Geschäfte, gemeinsam mit seinem Bruder Knut. Christian Blüthner-Haessler ist das, was man gemeinhin eloquent nennt. Große Statur, dunkler Anzug, die blonden gewellten Haare nach hinten gekämmt, redegewandt. Stolz zeigt er im Eingangsbereich der Ausstellungshalle die Ahnengalerie bekennender Blüthner-Spieler, von Wilhelm Kempff über Franz Liszt bis Arthur Rubinstein. Doch die Bilder täuschen nicht darüber hinweg, dass die ruhmreichen Zeiten des deutschen Klavierbaus vorbei sind. "Wir sind ein überschaubarer Mittelständler in einem überschaubaren Markt", sagt Blüthner-Haessler, und er sagt auch: "Der Markt ist insgesamt sicherlich rückläufig."

          Es ist ein Markt, in dem viele Zahlen kursieren, die meisten jedoch nur hinter vorgehaltener Hand. 13.500 ist so eine Zahl, 13.500 Klaviere wurden angeblich im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft - vor zehn Jahren seien es noch 21.000 Stück gewesen. Auf sinkende Verkaufszahlen in Deutschland hat sich Blüthner längst eingestellt, rund 90 Prozent des Umsatzes wurden zuletzt im Ausland erwirtschaftet. Doch was, wenn nahezu gleichzeitig alle wichtigen Volkswirtschaften der Erde in den Krisenstrudel geraten? Blüthner-Haessler gibt sich gelassen. "In Amerika sehen wir erste Anzeichen für eine Besserung." In China und Russland wachse die Nachfrage ohnehin noch immer. "Nur in Japan und Australien geht gerade wenig." Blüthner-Haessler mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Als einzigen ernstzunehmenden Konkurrenten bezeichnet der Unternehmer den amerikanischen Marktführer Steinway.

          Christian Blüthner-Haessler im Werk Großpösna südlich von  Leipzig

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          Die Luft in der gläsernen Ausstellungshalle ist stickig. Eine Klimaanlage gibt es nicht, zum einen, weil die Baufirma die Sonneneinstrahlung unterschätzte, zum anderen, weil kein Geräusch den Klang der Instrumente verfälschen soll. "Der klassische Blüthner-Kunde ist kein Aktienzocker", macht sich Blüthner-Haessler Mut. "Unsere Kunden sind sehr konservativ, und meistens haben sie auch ein ganz gut gefülltes Bankkonto." Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers habe ihm zwar schlaflose Nächte bereitet. "Aber der 11. September 2001 war schlimmer. Da hatte ich innerhalb von wenigen Stunden Stornierungen in Millionenhöhe auf dem Tisch." Kurzarbeit gibt es bislang noch nicht, aber Blüthner-Haessler will nicht ausschließen, dass sich das im Sommer ändern könnte.

          Die Familie bedient den Markt mit drei verschiedenen Marken, an dieser Strategie soll sich auch jetzt nichts ändern. Da ist zunächst einmal das Billigsegment unter der Marke Irmler, wobei der Begriff billig nicht so recht ins Klaviergeschäft passen will. 3000 Euro kostet ein Irmler-Klavier, ein Instrument gedacht für Einsteiger. 6000 Klaviere fertigt das Unternehmen jedes Jahr unter dieser Marke, zum Großteil in China und Polen.

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