https://www.faz.net/-gqe-8z7al

Nach Sieg im America’s Cup : Kiwis hoffen auf Geldregen

Neuseeland bei der siebten Finalfahrt in der Great-Sound-bucht vor Bermuda Bild: dpa

Ob das Parlament, die Restaurants oder die Hotels: Ganz Neuseeland feiert seine Segler. Insbesondere die Luxusindustrie profitiert vom Sieg beim America's Cup – mit Ausnahme eines Herstellers.

          Dem Sponsor Louis Vuitton hat die Siegerehrung sicher nur bedingt gefallen: Denn in die Schlagzeilen geriet der französische Luxuswaren-Hersteller nicht etwa, weil die neuseeländischen Gewinner des America’s Cup sich so über die an sie verschenkte Sponsoren-Tasche gefreut hätten. Sondern weil die Segler bei der Siegerehrung die jeweils gut 3000 Dollar teure, in einer limitierten Serie gefertigte Tasche Sac Polochon mit sichtlicher Freude in das jubelnde Publikum schleuderten.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Sieg der „Kiwis“, mit dem sie die wichtigste Trophäe im Segelsport nach der schmerzenden Niederlage in der Bucht von San Francisco 2013 wieder ins heimische Auckland entführen, wird in Neuseeland wohl mehr gefeiert als der Gewinn einer Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Im neuseeländischen Parlament nutzen Abgeordnete eine eigens angesetzte halbe Stunde, um die Segler auf den fernen Bermudas zu ehren, wo der Cup ausgesegelt worden war. Der neue Ministerpräsident Bill English erklärte, das „Team NZ“ habe die Marke Neuseeland in der Welt verankert. Der erst 26 Jahre alte Steuermann Peter Burling gilt schon jetzt als Volksheld.

          Der Sieg ist eine besonders gute Nachricht für das Gastgewerbe auf den beiden Inseln. Die beiden Wettkämpfe in den Jahren 2000 und 2003 um den America’s Cup in der Bucht vor Auckland brachten dem Land 115 und 92 Millionen neuseeländische Dollar (59,87 Millionen Euro) für Hotelübernachtungen und Beköstigung ein. „Das ist jetzt wahrscheinlich der Zündfunke für den Anreiz, ein ganzes Paket neuer Entwicklungen aufzunehmen“, sagte Russell Gray vom Tourismus-Verband in Auckland.

          Insbesondere die Luxus-Industrie wird profitieren. Schon jetzt ist Neuseeland Fluchtpunkt für zahlreiche Neu-Milliardäre aus dem Silicon Valley, die sich hier Orte schaffen, um die nächste Krise zu überleben. Bevor sie kommt, ankern sie aber mit ihren Luxus-Yachten in der Bucht von Auckland, wenn dort der nächste America’s Cup ausgetragen wird. 2016 gaben wohlhabende Reisende in den 29 Hotels des neuseeländischen Verbandes Luxury Lodges 19 Prozent mehr aus als im Vorjahr – es sind Häuser wie die Otahuna Lodge bei Christchurch, wo das Doppelzimmer mit 3100 Dollar je Nacht zu Buche schlägt.

          „So ein Sieg etwas schafft Jobs, ist sehr gut für die gesamte Volkswirtschaft und insbesondere eine exzellente Nachricht für unser Gewerbe“, sagte die Chefin des Restaurant-Verbandes Marisa Bidois. Der Vorsitzende des Tourismus- und Stadtentwicklungsverbandes in Auckland, Brett O'Riley, schätzte am Dienstag, dass die Ausrichtung des nächsten Cups in Auckland dem kleinen Land mehr als eine Milliarde Dollar bringen könnte.

          Eher Mangel an Bargeld als an Ideen

          Den Regeln nach darf der Gewinner den Austragungsort und viele Bedingungen für das nächste Rennen festlegen. Derzeit ist völlig offen, ob die Neuseeländer ihren Heimathafen wählen. Zumal es in der Segelszene heißt, der italienische Erbe und Milliardär Ernesto Bertarelli habe das Team Neuseeland unterstützt. 2003 hatte er die Neuseeländer noch in Grund und Boden segeln lassen. Er selbst, der mit seiner Alinghi den Cup gewonnen hatte, war in diesem Jahr bei den Rennen der Katamarane nur als Zuschauer dabei.

          „Die Kiwis sind jung, innovativ und haben sich ein Spitzenboot gebaut“, gab er zu Protokoll. Es soll einen Geheimvertrag mit Schweizer geben, in dem er auch einen Austragungsort für den Fall des Sieges der Neuseeländer benannt habe. Sponsoren hoffen darauf, dass die „Kiwis“ einen Kurs direkt im inneren Hafen von Auckland wählen werden, und dort statt der Katamarane wieder Einrumpfboote segeln lassen.

          Neuseeland kommt nun zugute, dass es den Titelverteidiger, den amerikanischen Oracle-Gründer und Milliardär Larry Ellison, nicht mit dem Scheckbuch schlagen konnte. So erscheint der neuseeländische Katamaran nun als David, der Goliath dank radikaler Designideen und einem eingeschworenen Team besiegte. Macher hinter den Kulissen ist Grant Dalton. Die Medien rufen ihn schon zum Geschäftsmann des Jahres 2017 aus.

          Aufgrund des Mangels an finanzieller Unterstützung hatte das heute siegreiche Konglomerat im Herbst 2015 schon eine Presseinformation herausgegeben, in der es seinen Ausstieg und das Ende von Team New Zealand erklärte. Denn auch die Regierung hatte den Seglern Steuergelder verweigert. Im allerletzten Moment erst kamen neue Sponsoren an Bord. Als sein Erfolgsrezept bezeichnet es Dalton, in junge aufstrebende Segler und Technikfachleute investiert zu haben – statt in die Technik selber, die Kosten wie in der Formel 1 hervorrufen kann. Der 60 Jahre alte Profi-Hochseesegler und Autorennfahrer Dalton gibt damit ein Leitbild für die Chefs zahlreicher neuseeländischer Unternehmen ab: Denn auch ihnen mangelt es oft mehr an Bargeld als an Ideen.

          Weitere Themen

          VW verklagt sein Personal

          Dieselskandal : VW verklagt sein Personal

          Während der ehemalige Chef Martin Winterkorn sein Altersruhegeld bezieht, verklagt der Konzern wegen des Dieselskandals sein Personal. Am Donnerstag fällt eine Entscheidung.

          ö statt ë?

          Citroën-Werbung : ö statt ë?

          Citroën heißt ab jetzt Zitrön. Das stimmt zwar nicht, aber das Video zu dem Werbe-Gag der Franzosen ist trotzdem sehenswert.

          Topmeldungen

          Stromausfall in Venezuela

          Venezuela : Wieder fällt im ganzen Land der Strom aus

          In Venezuela geht wieder das Licht aus: Ein landesweiter Stromausfall legt das südamerikanische Land lahm. Die Regierung spricht von einem Angriff auf das Wasserkraftsystem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.