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Kirchenfinanzen : Wie reich Deutschlands Kirchen wirklich sind

Auch für die kirchliche Entwicklungshilfe zahlt die Allgemeinheit

Mit der Kirchensteuer finanzieren Katholiken und Protestanten vor allem das geistliche Kerngeschäft, also die Bezahlung der Pfarrer oder die Arbeit in den Gemeinden. Anders als viele Kirchensteuerzahler glauben, fließt von dem Geld nur ein sehr kleiner Teil in den Sozialbereich. Für Kitas und Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime müssen die Kirchen gar nicht viel ausgeben: Hier trägt die Allgemeinheit die meisten Kosten.

Die Sozialwerke der großen Kirchen, evangelische Diakonie und katholische Caritas, sind mit zusammen rund einer Million Beschäftigen die größten Sozialkonzerne in Deutschland. So zählt beispielsweise die evangelische Agaplesion-Gruppe aus Hessen mit 550 Millionen Euro Jahresumsatz zu den größten Klinikbetreibern in Deutschland. Wie alle anderen Betreiber von Krankenhäusern oder Pflegeheimen müssen sich die kirchlichen Einrichtungen wirtschaftlich tragen. Sie leben von den Überweisungen der Kranken- und Pflegekassen, von den Beiträgen der Heimbewohner und Sozialämter, von den öffentlichen Zuschüssen für Kitas oder Sozialeinrichtungen. Schätzungen zufolge bestreiten die Kirchen allenfalls fünf Prozent ihres wohltätigen Engagements aus eigenen Mitteln. Selbst die kirchliche Entwicklungshilfe bezahlt zu zwei Dritteln das zuständige Bundesministerium aus einem speziellen „Kirchentitel“.

Neue Arbeitsbereiche für Ex-Theologen

In der Konkurrenz auf den hart umkämpften Sozialmärkten haben die Kirchen „noch immer eine äußerst privilegierte Stellung“, wie der Münchener Theologe Friedrich Wilhelm Graf schreibt – dank massiver staatlicher Vorzugsbehandlung: „Vielen diakonischen Sozialunternehmen fehlt es oft an dringend gebotener Transparenz“, kritisiert der Wissenschaftler, der sogar von „systemisch bedingter Ausbeutung des Steuerzahlers“ spricht. Auch der Umstand, dass kirchlich Beschäftigten kein Streikrecht zusteht, hilft im Wettbewerb.

Ähnlich funktioniert das System im Erziehungssektor. Wenn der Staat eine Kita-Garantie gibt, stärkt das zugleich die Marktmacht kirchlicher Unternehmen. Von den laufenden Betriebskosten müssen sie nur einen geringen Teil selbst aufbringen. Auch an den Investitionskosten beteiligt sich der Staat. Bereits 2009, also noch vor dem jüngsten Ausbauschub, überwiesen öffentliche Stellen knapp 4 Milliarden Euro an kirchliche Kita-Träger. Vergleichbare Regeln bestehen für die konfessionellen Schulen, hier sind die Bundesländer mit 2,3 Milliarden Euro im Spiel (siehe Grafik).

Sogar für Theologieprofessoren und Religionslehrer kommt der Staat auf, obwohl die Kirche die Lehrinhalte in eigener Regie festlegt. Verstößt ein Professor gegen diese Vorgaben oder heiratet er, obwohl er Priester ist, darf er nicht mehr lehren. Die staatliche Hochschule muss ihn gleichwohl weiterbezahlen und ausstatten. So sah sich die Universität Tübingen jahrelang gezwungen, vier verschiedenen Ex-Theologen neue Arbeitsbereiche für „Religionspädagogik“, „Textwissenschaft“ oder „Ökumenische Forschung“ zu finanzieren.

Die Bischöfe haben Gründe für ihren Unmut

Ein Unikum ist inzwischen der bekenntnisgebundene Religionsunterricht durch staatlich alimentierte Lehrer an öffentlichen Schulen, der die Steuerzahler (auch die Atheisten unter ihnen) jährlich 1,7 Milliarden Euro kostet. Andernorts wurde er, sofern es ihn je gab, vielfach durch ein religionskundliches Fach in staatlicher Regie ersetzt. Wie ungewöhnlich das deutsche Modell ist, das ließ sich schon 1991 in einer Broschüre der Deutschen Bischofskonferenz zur internationalen Praxis nachlesen. „Heute erweist sich die Fähigkeit des Staatskirchenrechts als unzureichend, die unaufhaltsame Pluralisierung religiöser Kulturen zu verarbeiten“, urteilt der Philosoph Hermann Lübbe.

In der deutschen Politik galten solche Positionen lange als exzentrisch, vor allem die beiden Volksparteien wollten sich mit den Kirchen nie anlegen. Selbst die FDP erinnerte nur halblaut an ihre Forderung nach einer strikteren Trennung von „freien Kirchen in einem freien Staat“, und die bayerischen Grünen standen im Landtagswahlkampf 2008 mit dem Wunsch nach einer Ablösung der Staatsleistungen allein da. Die Vorgänge auf dem Limburger Domberg haben die Aufmerksamkeit wieder auf die Geldströme gelenkt. Die Bischöfe haben Gründe für ihren Unmut über Franz-Peter Tebartz-van Elst.

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