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Arbeitsmarkt : KfW-Stiftung fördert 14 Start-Ups für Flüchtlinge

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Viele der Flüchtlingen wollen arbeiten, dürfen aber aus rechtlichen Gründen nicht. Bild: dpa

Vom Handwerk über Gastronomie bis hin zur IT: Die Förderbank unterstützt Unternehmen, die sich die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt als Ziel gesetzt haben.

          Eine Nähwerkstatt in Frankfurt am Main, ein Foodtruck mit arabischem Essen in der brandenburgischen Provinz oder ein IT-Zentrum in Gießen: Die staatliche Förderbank KfW bezuschusst 14 Start-Ups für Flüchtlinge. Alle Unternehmen hätten zum Ziel, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu verbessern, teilte die Förderbank am Mittwoch mit. Für das Stipendienprogramm mit dem Namen Ankommer bewarben sich demnach 190 Unternehmen.

          Begleitet werden die 14 ausgewählten Start-ups in den kommenden Monaten von der Agentur für soziales Unternehmertum, Social Impact. Sie betreibt in sechs deutschen Städten Zentren zur Unterstützung von meist jungen Unternehmern. Das Projekt Ankommer solle dazu beitragen, Probleme der Flüchtlingskrise sozial-unternehmerisch zu lösen, sagte Social-Impact-Geschäftsführer Norbert Kunz.

          Schirmherr des Projekts Ankommer ist Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Die 14 Start-ups decken Bereiche in den unterschiedlichsten Branchen ab - vom Handwerk über Gastronomie bis hin zu IT. Es gibt ein Zeitarbeitsunternehmen für Flüchtlinge, das den Menschen den ersten Zugang zum Arbeitsmarkt vermitteln soll, eine Cateringfirma, die mit Foodtrucks arabisches Essen in die Provinz in Brandenburg bringen soll oder ein Projekt, das Flüchtlinge im Agrar- und Gartenbau ausbildet. Allen geförderten Unternehmen ist gemein, dass sie sich künftig selbst auf dem freien Markt tragen. Es gehe nicht um Ehrenamt, sondern um soziales Unternehmertum, verdeutlichte Kunz.

          Hoffnung auf Nachahmer

          Die geförderten Projekte hätten „Pilotcharakter“ und das Potenzial, deutschlandweit Nachahmer zu finden, sagte der Geschäftsführer der KfW Stiftung, Bernd Siegfried. „Wir müssen lernen, die neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen für Deutschland zu erkennen und zu nutzen“, ergänzte Kunz.

          Wie das Potenzial von geflüchteten Menschen für die deutsche Wirtschaft genutzt werden kann, wollen beispielsweise Nicole von Alvensleben und Claudia Frick zeigen. Ihr Start-up Stitch by Stitch richtet sich an geflohene Näherinnen. Sie sollen in einer Schneiderwerkstatt in Frankfurt am Main beschäftigt werden. Die beiden Gründerinnen haben eine Marktlücke gefunden, die sie zusammen mit den Flüchtlingen füllen wollen: Besonders kleine Modelabels haben es in Deutschland demnach schwer, Produktionsstätten für ihre Kollektionen zu finden. Für diese kleinen Labels wollen sie künftig mit bis zu 20 geflüchteten Näherinnen produzieren.

          „Wir brauchen etwas und die Flüchtlinge auch“, sagte von Alvensleben. Die Näherinnen könnten mit ihren traditionellen Techniken die Produkte verbessern und würden gleichzeitig Deutsch lernen und in anderen Fertigkeiten weitergebildet. In den nächsten Wochen startet die Nähwerkstatt zunächst mit drei Frauen. Sie sollen dort fest angestellt werden und Mindestlohn erhalten. Als Anschub-Finanzierung erhalten von Alvensleben und Frick 12.500 Euro von der KfW-Stiftung. Das Social Impact Lab in Frankfurt am Main begleitet ihr Start-up bei allen unternehmerischen Fragen.

          Karan Dehghani geht mit seinem Start-up Code Door einen anderen Weg. Er bildet Flüchtlinge zu Programmierern aus und vermittelt sie danach an Unternehmen, von denen er wiederum eine Vermittlungsgebühr verlangt. „Ich will als Unternehmer Probleme lösen und aus der Krise etwas Positives machen“, begründete Dehghani sein Projekt. In Deutschland würden derzeit über 40.000 Programmierer gesucht, darauf reagiere er. Gestartet ist Code Door in Gießen. Bald sollen Ableger in Berlin, Potsdam, Hamburg, Leipzig, Duisburg und Frankfurt am Main folgen.

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