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Wie geht es weiter? : Mehr Gründungen im vergangenen Jahr – doch dann kam Corona

  • Aktualisiert am

Gründer sind häufig in Coworking-Spaces anzutreffen Bild: Reuters

Die Deutschen sind keine Weltmeister im Gründen. Dennoch gab es zuletzt einen moderaten Aufwärtstrend. Die Pandemie muss auch nicht notwendigerweise dessen Ende bedeuten – aber sie könnte.

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          Nach steigenden Zahlen im vergangenen Jahr versprach auch 2020, ein gutes Jahr für Unternehmensgründer zu werden. Doch dann kam die Corona-Pandemie – und die könnte viele Pläne durchkreuzen. „Ich erwarte, dass Gründungspläne unter dem Eindruck der aktuell existenzbedrohenden Lage vieler Selbstständiger teilweise verschoben werden“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib bei der Vorstellung des aktuellen „Gründungsmonitors“ der staatlichen Förderbank am Donnerstag in Frankfurt.

          Es ist das erste Mal seit Jahren, dass die Gründerszene in Deutschland wieder Auftrieb hat. „Der Ausblick für das Gründungsjahr 2020 war positiv, doch die Corona-Pandemie belastet“, sagte Köhler-Geib. Sie schätzte, dass vier von zehn Planungen angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage verschoben würden. Dennoch fühle sie sich „ermutigt“, dass sechs von zehn Gründerinnen und Gründern weiter an ihrem Plan festhielten.

          Der Zuwachs an Gründern im vergangenen Jahr ging indes fast ausschließlich auf Männer zurück. Es machten sich 605.000 Menschen hierzulande selbständig, das waren 58.000 oder gut 10 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Gründerinnen blieb mit 215.000 aber fast unverändert, während die Zahl der Männer um 59.000 auf 390.000 zulegte. Die Start-up-Szene bleibt also männlich: Der Bundesverband der deutschen Start-ups hatte kürzliche eine Studie vorgelegt, derzufolge nicht mal jedes sechste Jungunternehmen in Deutschland von einer Frau geführt wird.

          Zudem wurde die zunehmende Gründungsaktivität im vergangenen Jahr rechnerisch allein von Nebenerwerbsgründungen getrieben. Diese legten um 85.000 auf 377.000 zu. Dagegen ging es bei den Gründungen, mit denen Menschen vollständig ihren Lebensunterhalt verdienen, weiter abwärts: Ihre Zahl erreichte bei 228.000 einen neuen Tiefpunkt – 27.000 weniger als im Vorjahr.

          Gründungen aus der Not heraus

          Ein Effekt, der dem Absagen von Gründungsplänen angesichts der Pandemie entgegenwirken könnte, sind die sogenannten Notgründungen: Steigende Arbeitslosenzahlen dürften dazu führen, dass mehr Menschen den Schritt in ein eigenes Unternehmen wagen, weil keine bessere Erwerbsalternative in Sicht ist. „Vielleicht überwiegt dieser Effekt, so dass wir in den nächsten Monaten sogar etwas mehr Gründungen sehen werden. Aber das ist bisher noch Spekulation“, sagte Köhler-Geib. Im vergangenen Jahr waren rund ein Viertel der 605.000 Existenzgründungen nach eigenen Aussagen der Gründer in diesem Sinne Notgründungen.

          „Deutschland ist ein guter Gründungsstandort mit Raum für Verbesserungen“, stellte Köhler-Geib fest. „Wir haben im Moment noch eine gute Infrastruktur – da müssen wir investieren, dass das auch so bleibt.“ Verbesserungsbedarf sehen Gründer wie Fachleute vor allem im Bildungssystem. „Wir müssen darüber nachdenken: Was sind denn die Fähigkeiten, die junge Menschen in die Lage versetzen, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen? Das muss in die Schulen reingetragen werden“, sagte die KfW-Chefvolkswirtin.

          Haupt-Gründerstadt in Deutschland ist seit Jahren Berlin. Das zeigt sich auch in den KfW-Zahlen: Demnach begannen in der Hauptstadt im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 198 Personen eine selbständige Tätigkeit. Interessant: Im Vergleich der Bundesländer tauscht Brandenburg (155 Existenzgründungen pro 10.000 Erwerbsfähigen) den Platz mit Hamburg und liegt nun erstmals an zweiter Stelle.

          „Es ist zu vermuten, dass die überdurchschnittliche Gründungstätigkeit in Berlin in dessen Peripherie ausstrahlt, weil Gründerinnen und Gründer ihre Stand- oder Wohnorte beispielsweise kostenbedingt in den 'Speckgürtel' verlagern“, heißt es von der KfW. Hamburg kann mit 122 Existenzgründungen je 10.000 Erwerbsfähige knapp den 3. Platz vor Bayern (121) behaupten. Die bayerische Landeshauptstadt München gilt hinter Berlin als zweitwichtigste Gründerstadt Deutschlands.

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