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Nach Greenpeace-Kampagne : Kein Shell-Tankwagen mehr von Lego

Greenpeace-Aktivisten protestieren als Lego-Figuren gegen Shell. Bild: dpa

Darf ein Spielzeughersteller auf Bausätze den Namen eines kritisierten Ölkonzerns drucken? Greenpeace sagt: Nein. Nun beugt sich Bauklotz-Produzent einer Kampagne, die Millionen Menschen erreicht hat.

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          Wenn der Tankwagen kommt, ist Vorsicht geboten. Das hat der Spielzeughersteller Lego zu spüren bekommen. Weil es Lego-Bausätze für Tankwagen mit dem Schriftzug des Ölkonzerns Shell gibt, ist der Klötzchen-Konzern in die Kritik der Umweltschützer von Greenpeace und zwischen die Fronten im Kampf der Organisation gegen den Ölkonzern geraten.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun zieht Lego Konsequenzen: Künftig dürfte es die Fahrzeuge in Gelb und Rot, den Shell-Konzernfarben, nicht mehr zu kaufen geben. „Wie sich die Angelegenheit aktuell darstellt, werden wir den Kooperationsvertrag mit Shell nicht erneuern, wenn der laufende Vertrag endet“, teilte Lego-Konzernchef Jørgen Vig Knudstorp mit.
          Greenpeace kritisiert seit langem Shell.

          Aktuell wenden sich die Umweltschützer gegen Pläne des Ölunternehmens, vor der Nordwestküste Alaskas nach Öl zu suchen. Wozu die Bohrungen im arktischen Eis aus ihrer Sicht führen könnte, simulierte die Organisation in einem Kurzfilm, der auf der Videoplattform Youtube mittlerweile rund sechs Millionen Mal angesehen worden ist. In dem Video wird eine Eislandschaft aus Lego-Steinen von einer schwarzen öligen Brühe überflutet, in der Menschen und Tiere untergehen. Dazu läuft das Erkennungslied des ersten Lego-Films, der im Frühjahr in die Kinos gekommen war. Zur nun bitter ironisch gemeinten Textzeile „Hier ist alles super“ steigt der Ölpegel.

          Der Greenpeace-Protest richtet sich auch dagegen, dass Lego über viele Jahre Modelle mit Shell-Aufdruck in die – aus Sicht der Umweltschützer – ansonsten heile Kinderzimmerwelt fahren ließ. Es sei aus Sicht vieler Menschen „komplett unangemessen“, wenn ein Kinderspielzeug-Fertiger mit einem Ölkonzern wie Shell zusammenarbeite. Mancher Spielwarenmanager mag dagegen argumentieren, dass sich halt Modelle besonders gut verkaufen, deren Vorbilder Kinder aus dem Alltag kennen.

          Bei Lego ist man erwartungsgemäß nicht begeistert von der Greenpeace-Kampagne. Das Unternehmen sieht den eigenen Namen missbraucht. „Die Greenpeace-Kampagne nutzt die Marke Lego für einen Angriff auf Shell“, beklagt sich Knudstorp. Man missbillige die Taktik von Greenpeace, die zu Missverständnissen führen könne. Die Umweltschützer sollten sich besser im direkten Gespräch mit dem Ölkonzern auseinandersetzen, rät er.

          Gleichwohl sieht sich Lego nun zum Handeln gezwungen. Sah man noch im Juli, als die Greenpeace-Kritik aufkam, keinen Anlass, die Kooperation zu beenden, hat man am Konzernsitz im dänischen Billund diesen Standpunkt nun offensichtlich überdacht. Anhänger von Lego hätten „hohe Ansprüche an das Handeln“ des Konzerns, heißt es. Die im Jahr 2011 erneuerte Vereinbarung soll nun auslaufen. Lego selbst beansprucht für sich, im Interesse von Kindern und künftigen Generationen ein umweltfreundlicher Konzern zu sein, der auch auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger setzt.

          Mit dem Ende der Marketingpartnerschaft von Lego und Shell werden wohl Produkte aus dem Bausatzsortiment verschwinden, die in gewisser Weise eine Konstante im Lego-Portfolio darstellten. Modelle mit dem Schriftzug des Ölkonzerns gab es seit Jahrzehnten. So zählten Fahrzeugbausätze in den Shell-Farben und mit Konzernlogo in den achtziger Jahren auch zum regulären deutschen Sortiment. Zuletzt gab es Lego-Shell-Modelle lediglich an Tankstellen in mehr als 20 Ländern. Der aktuelle Tankwagenbausatz aus dem Lego-City-Programm ist dagegen in grün-weiß gehalten und trägt den allgemeinen Schriftzug „Energy“.

          Greenpeace hofft nun, dass das Verhalten von Lego Schule macht und weitere Kooperationspartner auf Distanz zu Shell gehen. Im Blick ist dabei das Londoner Wissenschaftsmuseum, wo Shell eine Ausstellung zum Klimawandel unterstützt. Der Ölkonzern hatte im Sommer überarbeitete Pläne zur Exploration vor der Küste Alaska vorgelegt. Damit wäre der Weg bereitet, im kommenden Jahr mit Erkundungen vor Alaska anzufangen.

          Zuvor hatte Shell ein kritisiertes Konzept für Explorationen in der Arktis zurückgezogen. Den Weg ins ewige Eis geht derweil Lego: Zu den Produktneuheiten in diesem Jahr zählt eine Arktisreihe mit Bausätzen für Kettenfahrzeuge, Basislager und Schneemobil.

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