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Kein Geld für Digitalisierung : SAP-Kunden verschieben IT-Projekte

Leidet unter den schrumpfenden Umsätzen seiner Kunden: Der Software-Konzern SAP Bild: Reuters

Die Budgets der Unternehmen schrumpfen. So trifft die Corona-Krise auch den Software-Konzern SAP, der mit seinen Produkten eigentlich im Trend liegt.

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          Der Softwarekonzern SAP muss sich auf schrumpfende Budgets seiner Kunden einstellen. Obwohl die Unternehmen die Notwendigkeit der weiteren Digitalisierung beteuern, fehlt es vielen im Zuge der Corona-Krise schlicht an Geld, um die Software in ihren Häusern zu modernisieren. Das ist das Ergebnis der jährlichen Umfrage der einflussreichen deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe DSAG, die nach eigenen Angaben mehr als 3700 Unternehmen vertritt.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte der Konzern im vergangenen Jahr mehr als 4 Milliarden Euro erlöst. Insgesamt setzte SAP 27 Milliarden Euro um. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der SAP SE, Christian Klein, stehen seine deutschsprachigen Kunden mit ihren Problemen nicht allein da. Eine ähnliche Einschätzung höre er von vielen internationalen Kunden. „Das Bild ist global konsistent,“ sagte Klein kurz vor dem Auftakt des am Montag eröffneten Jahreskongresses Tausender deutschsprachiger Anwender von SAP-Produkten, der sogenannten DSAG.

          Viele Kunden haben seinen Worten nach in der Krise finanzielle Probleme. Wenn deren Geschäft wegbreche, würden auch IT-Projekte verschoben. Das träfe also auch SAP. Daher habe man die Zahlungsziele verlängert, um die Kunden zu unterstützen. „Wir wollen keinen zurücklassen“, sagt Klein weiter. Es werde schließlich eine Zeit nach der Krise geben, und auch die digitalen Geschäftsmodelle würden nicht verschwinden.

          Drei Viertel der Kunden berichten von sinkenden Umsätzen

          SAP liefert Software zur Verwaltung und Steuerung von Betrieben aller Größe und aller Art, vom lokalen Coffeshop bis zum international arbeitenden Autohersteller. Nach Angaben des DSAG-Vorstandsvorsitzenden Marco Lenck berichten drei Viertel der befragen deutschsprachigen SAP-Kunden derzeit von schrumpfenden Umsätzen. Als Folge will fast jeder zweite die Umstellung auf die runderneuerte Programmversion S4/Hana verschieben oder „prinzipiell zurückstellen“.

          Für die IT-Industrie und SAP als größten Softwarehersteller Europas sind das keine guten Nachrichten. Das schnelle IT-System S4/Hana ist für den Walldorfer Konzern wichtig, wenn nicht gar entscheidend. Da die Wartung für alte Softwareprogramme bei vielen Kunden in absehbarer Zeit ausläuft, hatten zuletzt zwar immer mehr Nutzer angekündigt, auf das neue Softwaresystem zu setzen. Obwohl das Paket schon seit fünf Jahren auf dem Markt ist, haben aber erst wenige tatsächlich umgestellt. Im DSAG-Investitionsreport von Anfang des Jahres wird der Anteil auf 10 Prozent beziffert.

          Die Corona-Krise hat die Kunden aber nicht nur vorsichtiger werden lassen, auch ihre Anforderungen haben sich verschoben. Thomas Saueressig, der im SAP-Vorstand für Produktentwicklung zuständig ist, sagte im Gespräch, Themen wie Lieferketten-Management, Nachhaltigkeit oder Künstliche Intelligenz stünden nach wie vor ganz oben auf der Agenda vieler Unternehmen. Doch wichtig für viele Kunden sei derzeit, dass die Geschäfte am Laufen bleiben. Das zeigt auch die DSAG-Umfrage. Demnach legen Firmen verstärkt Wert darauf, dass Software die Effizienz bestehender Prozesse erhöht. Die Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen nennt nur etwa ein Drittel der Befragten als wichtigste Aufgabe.

          Dennoch nimmt Saueressigs Worten zufolge der Trend Richtung E-Commerce in der Corona-Krise rasch zu. „Viele Firmen kommen da technisch gesehen kaum nach, etwa wie sie ihre Kunden ansprechen. In unserer Geschäftseinheit Gigya liegen drei Milliarden Profil-Daten, und wir haben mit Emarsys die Instrumente, diese Daten einzubinden und in die entsprechenden Kanäle einzuspielen, um die Kunden individuell anzusprechen.“

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