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Kaufpreis um 2000 Euro : Renault will das billigste Billigauto bauen

Will mit dem neuen Auto „den Einstiegspreise für die gesamte Branche definieren”: Carlos Ghosn, Chef von Renault und Nissan Bild: AFP

Renault und Nissan planen mit ihrem indischen Partner Bajaj den Einstieg in das neue Segment der Kleinstwagen. Von 2012 an wollen sie einen Billigwagen in der Preiskategorie um die 2000 Euro auf den Markt bringen - weltweit.

          Renault und Nissan planen gemeinsam mit ihrem indischen Partner Bajaj den Einstieg in das neue Segment der Kleinstwagen. Von 2012 an wollen sie einen Billigwagen in der Preiskategorie um die 2000 Euro auf den Markt bringen. Seine Herstellungskosten sollen unterhalb derer des Tata Nano liegen. Er zielt zunächst auf den indischen Markt, soll aber in aller Welt vertrieben werden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          „Es wird ein sehr innovatives und sehr wettbewerbsfähiges Auto werden“, sagte Carlos Ghosn, Chef des französischen Herstellers Renault SA und der japanischen Nissan Motor Co, am Rande des Indiengipfels des Weltwirtschaftsforums in Neu-Delhi. „Die Herstellungskosten werden unter denjenigen aller derzeit in Indien produzierten Automobile bleiben“, sagte Ghosn mit Blick auf den Nano. „Wichtiger aber ist noch, dass auch die Betriebskosten niedriger ausfallen werden“, fügte er an. Das Fahrzeug werde wesentlich weniger als fünf Liter Treibstoff für 100 Kilometer brauchen. Eine konkrete Preisvorstellung nannte er nicht: „Das wird auch der Markt entscheiden.“

          „Ultra-Niedrigkosten-Auto“

          Allerdings betonte er, dass der Wagen nicht nur das billigste Fahrzeug im Renault-Nissan-Konzern sein solle: „Es wird den Einstiegspreis für die gesamte Branche definieren.“ Um mit dem Nano konkurrieren zu können, müsste das von Ghosn als „Ultra-Niedrigkosten-Auto“ bezeichnete Gefährt aber weniger als 2000 Euro in seiner abgespeckten Version kosten.

          Die Konkurrenz: Der Tata Nano (Foto vom Juli 2009 in Hyderabad)

          Als Partner hat sich Ghosn schon vor Jahren den indischen Bajaj-Konzern auserwählt. Er ist der führende Hersteller von motorisierten Zwei- und Dreirädern, die in den Entwicklungs- und Schwellenländern Absatz finden. Während Ghosn keine Ankündigungen zur Gesellschaftsstruktur machte, erklärte Madhur Bajaj, der Stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates von Bajaj Auto Ltd: „Wir werden 51 Prozent halten, Renault-Nissan den Rest.“

          Produziert werden könnte am Standort Pune

          Als das Projekt 2008 angedacht wurde, war die Rede von einem Anteil von 50 Prozent von Bajaj, den Rest würden sich Renault und Nissan teilen. Ghosn sagte dazu nur, er sei bereit, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen. Verträge seien noch nicht unterzeichnet; es geben mündliche Absprachen der Vorstandschefs, hieß es. Bajaj deutete an, dass der Wagen in der Fabrik in Chakan am Standort Pune, wo unter anderem auch Volkswagen fertigt, gebaut werden könnte. Die Fertigungskapazität der neuen Fabrik dort dürfte bei 400.000 Einheiten liegen.

          Ungewöhnlich erscheint die Verteilung der Aufgaben zwischen den Partnern: „Bajaj wird die Entwicklung, den Einkauf, das Design und den Bau des Fahrzeugs verantworten. Wir sind offen, ihnen dabei jede Hilfestellung zu geben. Das Führen der Marken und den Verkauf übernehmen dann wir“, kündigte Ghosn an. In seinem Unternehmen heißt es, Bajaj sei bei dieser Aufteilung durchaus in der Lage, etwa einen Motor oder Antriebsstrang bei den Franzosen oder Japanern zuzukaufen. Der Bau werde vom Volumen, das Bajaj längst bei der Herstellung von dreirädrigen Fahrzeugen erreicht habe, profitieren. Der Kleinstwagen käme dann aber unter der Marke Renault oder Nissan auf den Markt.

          Absatz in aller Welt geplant

          Verkaufen wollen die Partner ihr kleines Automobil in aller Welt. „Es gibt eine riesige Liste von Schwellenländern, für die der Wagen interessant sein wird. Denken Sie nur an Südamerika oder Afrika“, sagte der Franzose. Der Export sei kein Problem, weil die Herstellungskosten so niedrig lägen, dass die Logistik keine entscheidende Rolle spielen werde.

          Zeitgleich arbeiten die Franzosen und Japaner gemeinsam mit Nissan-Partner Ashok Leyland an der Entwicklung einer Linie von Billiglastwagen. Sie sollen in der neuen Fabrik von Renault und Nissan in Chennai gebaut werden. „Hier läuft alles nach Plan“, sagte Ghosn. Nicht nach Plan läuft es im dritten Gemeinschaftsunternehmen auf dem Subkontinent, in dem Renault und Mahindra & Mahindra das Billigfahrzeug Logan bauen. Der Logan-Absatz blieb knapp 50 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Um den ermäßigten Steuersatz von nur 8 Prozent zu bekommen, ist der Wagen zu lang. Branchenkenner halten zugleich die Marke Logan für nicht richtig positioniert.

          GM, Toyota und Ford bringen bis 2011 Kleinwagen auf den indischen Markt

          Ghosn hatte schon gedroht, über kurz oder lang mit nur noch einem einzigen statt der bislang drei Partner in Indien zu enden. „Ich habe nie erwartet, dass alles reibungslos läuft“, spielte Ghosn am gestrigen Dienstag die Probleme dann aber herunter. „Wir werden die Fehler korrigieren.“ Ghosn ist vom Markt Indien überzeugt: „Indien ist der nächste Wachstumsmarkt der Welt für unsere Industrie. Ich hege keinen Zweifel, dass wir die Zahl der Personenwagen hier von derzeit 2 Millionen innerhalb eines Jahrzehnts auf mindestens 6 Millionen steigern werden.“ Der derzeitige Marktanteil von unter einem Prozent sei in einem solchen Land „vollkommen unakzeptabel“.

          Allerdings wird Ghosn bis 2012 auf mehr Konkurrenz als nur den Nano stoßen – auch wenn die meisten davon deutlich über dem angedachten Preis des „Ultra-Niedrigkosten-Autos“ liegen dürften. General Motors will Ende 2010 einen Kleinwagen in Indien herausbringen, Toyota dürfte 2011 folgen. Auch Ford Motor Corp will im kommenden Jahr einen preiswerten Wagen auf dem Subkontinent bauen. Volkswagen wird den Polo im März nächsten Jahres einführen, später dürfte der Winzling VW-Up folgen. An der Entwicklung eines Wagens, der noch billiger sei, habe Volkswagen indes kein Interesse, hieß es in Delhi.

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