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Kaufpläne : Bayern LB bietet für Skandalbank IKB

  • Aktualisiert am

Die Bayern LB hat es auf die IKB abgesehen Bild: ddp

Ist die krisengeschüttelte Mittelstandsbank IKB ein guter Kauf? Ja, glaubt die Bayern LB. Die Münchener Landesbank will ein Angebot für das Mittelstandsgeschäft der IKB abgeben. Einen entsprechenden Bericht der F.A.Z. bestätigte ein Firmensprecher.

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          Die selbst von der Finanzmarktkrise betroffene Bayerische Landesbank will Teile der krisengeschüttelten Mittelstandsbank IKB kaufen. Die Landesbank habe ein Angebot für das Mittelstandsgeschäft der IKB abgegeben, bestätigte Landesbank-Sprecher Matthias Lücke am Montag einen Bericht der F.A.Z. Jetzt werde man in die Bücher der Bank sehen und prüfen, ob man ein bindendes Angebot abgebe, sagte er. „Wir sehen uns durchaus in der Lage, am Bieterverfahren teilzunehmen, sonst würden wir es ja nicht tun“, sagte Lücke im Hinblick auf die finanzielle Situation der Bayern LB. „Das zeigt auch, dass wir den Handlungsspielraum haben, um am Markt aktiv zu werden.“

          Erst am vergangenen Freitag hatte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein erklärt, dass er bei der Bayern LB Belastungen von bis zu vier Milliarden Euro aus der Finanzmarktkrise für möglich halte. Im Februar hatte die Bank Verluste von 600 Millionen Euro aus Subprime-Krediten und „rechnerische Buchwertminderungen“ von 1,3 Milliarden Euro gemeldet, aber einen Jahresgewinn von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Diese Woche wird die Bayerische Landesbank ihre Jahreszahlen für 2007 veröffentlichen.

          Nicht die ganze IKB, sondern nur die „good bank“

          Die Bayern LB wolle nicht die ganze IKB kaufen, sagte Lücke. „Es geht dabei um die good bank“, also den Teil der IKB, der das Mittelstandsgeschäft betreibe und nicht durch Subprime-Kredite belastet sei. Durch den Zukauf solle das Mittelstandsgeschäft der Landesbank gestärkt werden. Die IKB sei hier sehr stabil und in einer marktführenden Position, sagte Lücke: „So ein Angebot gibt es in Deutschland nicht alle Tage.“

          Der neue Bayern-LB-Chef Michael Kemmer will Handlungsfähigkeit demonstrieren
          Der neue Bayern-LB-Chef Michael Kemmer will Handlungsfähigkeit demonstrieren : Bild: AP

          Zur Begründung der Offerte hatte die Bayern LB im Gespräch mit der F.A.Z. ähnlich argumentiert. Das auf Firmenkunden spezialisierte Düsseldorfer Geldhaus passe gut zur Bayern LB. Die IKB, eine Tochtergesellschaft der Staatsbank KfW, war bisher der Marktführer bei langfristigen Mittelstandsfinanzierungen in Deutschland. Dieses Geschäft gilt allerdings als ertragsschwach. Die IKB hat mit riskanten Wertpapiergeschäften im amerikanischen Hypothekenmarkt Milliarden verbrannt und ist dadurch in den vergangenen Monaten an den Rand der Pleite geraten.

          Der neue Chef will Handlungsfähigkeit demonstrieren

          Michael Kemmer, der neue Vorstandschef der Bayern LB, will mit seinem Interesse an der IKB offenbar Handlungsfähigkeit inmitten der eigenen schweren Krise demonstrieren. Denn eigentlich hat Kemmer mit der schwierigen Bereinigung von Milliardenaltlasten in seiner Bilanz genug zu tun. Sie stammen aus ähnlichen Wertpapierwetten wie bei der IKB. Kemmer habe sich gleichwohl für seinen Vorstoß bei der IKB bereits die Rückendeckung des Verwaltungsrats verschafft, heißt es in Finanzkreisen.

          Öffentlich wird Kemmer voraussichtlich am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz der Bayern LB Stellung beziehen. Als wahrscheinlich gilt, dass die zweitgrößte deutsche Landesbank eine Kapitalerhöhung brauchte, um eine solche Übernahme zu stemmen. Im bayerischen Haushaltsentwurf für dieses Jahr ist bereits ein entsprechender Etatposten vorgesehen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erhofft sich für die IKB einen Verkaufserlös von rund 800 Millionen Euro, was in Bankenkreisen allerdings als ambitioniert gilt. Bislang ist zudem unklar, ob der Verkauf des gesunden Teils der IKB überhaupt wie geplant zustande kommt. Denn dazu muss die Bank zuerst von Altlasten in zweistelliger Milliardenhöhe befreit werden, was sich als schwierig erweist. Ein geplanter Verkauf riskanter Wertpapiere aus dem IKB-Portfolio wurde vor Ostern abgebrochen.

          Auch die West LB hat Interesse signalisiert

          In Münchner Finanzkreisen wird erst in den kommenden Monaten und nach einer detaillierten Buchprüfung (Due Diligence) mit einer Entscheidung gerechnet, ob die Bayern LB eine bindende Kaufofferte für die IKB abgibt. Die Frist für die Due Diligence soll bis Mitte April laufen. Der Verkauf wird von der Investmentbank Merrill Lynch organisiert. Neben der Bayern LB hat auch die selbst schwer angeschlagene West LB Interesse signalisiert. Zudem dürften Finanzinvestoren wie Lone Star und JC Flowers mit im Rennen sein. Commerzbank und DZ Bank haben dagegen bereits abgewinkt. Ihnen ist das Mittelstandsgeschäft der IKB zu margenschwach.

          Unterdessen arbeitet der Vorstand der Bayern LB mit Hochdruck daran, die eigenen Milliardenrisiken in den Griff zu bekommen. Erst am Freitag war bekanntgeworden, dass die Staatsbank ihre Bilanz bereinigen und dazu Altlasten loswerden will. Die Bayern LB sitzt nach eigenen Angaben auf 32 Milliarden Euro an sogenannten strukturierten Wertpapieren, die im Zentrum der seit Monaten tobenden internationalen Kreditmarktkrise stehen. Die Ratingagentur Moody's kündigte in der vergangenen Woche bereits an, ihre Bonitätsnoten für die Bayern LB zu senken, wenn diese nicht ihre Bilanzrisiken abbaue oder eine Kapitalspritze bekomme.

          Auslagerung riskanter Wertpapiere wird geprüft

          Der Vorstand der Bayern LB prüft nach Informationen der F.A.Z. aus Finanzkreisen unter anderem die Auslagerung riskanter Wertpapiere im Volumen von rund 20 Milliarden Euro in eine externe Gesellschaft. "Es soll sichergestellt werden, dass neue Belastungen nicht Quartal für Quartal das Eigenkapital und den Gewinn der Bank belasten", heißt es in Finanzkreisen.

          Für diese sogenannte Risikoabschirmung brauchte die Bank allerdings eine milliardenschwere Finanzbürgschaft ihrer Eigentümer. Die Bayern LB gehört jeweils zur Hälfte dem Freistaat und den bayerischen Sparkassen. Die Konstruktion gilt deshalb als europarechtlich schwierig. Es werden auch andere Varianten geprüft. Endgültige Entscheidungen, wie die Münchner Landesbank von ihren Milliardenaltlasten befreit werden soll, gibt es noch nicht. "Die Dinge sind im Fluss", hieß es.

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