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Kundenzeitschrift Tip : Kaufland kündigt 55.000 Austrägern

Kaufland-Filiale in München Bild: dpa

Die Gewerkschaft wettert: „Das ist die größte Massenentlassung in der Geschichte der Bundesrepublik“. Das kann man auch anders sehen.

          Es geht, je nach Darstellung, um ein Taschengeld, oder um die größte Massenentlassung in der Geschichte der Bundesrepublik: 55.000 Austräger der Kaufland-Kundenzeitschrift „Tip“ verlieren ihre Stelle von November an. „Das ist Kapitalismus pur“, sagt Leni Breymaier, die Landeschefin von Verdi in Baden-Württemberg: „Es ist unglaublich. 55.000 Menschen werden ohne jede Vorwarnung, Flankierung oder sozialen Ausgleich auf die Straße gesetzt. Nicht weil der Konzern wirtschaftlich in irgendeiner Form gefährdet wäre, sondern um Profite weiter zu erhöhen.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Bei Kaufland wirbt man um Verständnis: Der organisatorische Aufwand für die Verteilung von 20 Millionen Prospekten in Deutschland durch Minijobber sei mittlerweile einfach überbordend gewesen. Während vor 30 Jahren, anlässlich der Eröffnung des ersten Kaufland-Warenhaus am Konzernsitz in Neckarsulm die Kundenzeitschrift bewusst in eigener Regie verteilt wurde (begonnen wurde mit 600 Austrägern), habe man mittlerweile schon einige Jahre gute Erfahrung mit externen Dienstleistern gesammelt, die 40 Prozent der Auflage verteilten.

          Mit der Übertragung an andere Dienstleister von November an kündigt Kaufland (ein Schwesterunternehmen von Lidl) nicht nur die Minijobber, sondern auch rund 100 Vollzeitbeschäftigte, die an fünf Standorten quer durch die Republik das Austragen organisatorisch betreut haben. Eine Kaufland-Sprecherin sprach von einem „harten Schritt, der uns sehr weh tut“.

          Die 55.000 Austräger bekommen im Durchschnitt 17 Euro in der Woche fürs Austragen von 200 Exemplaren der Kaufland-Kundenzeitschrift Tip. Welcher Stundenlohn sich im Durchschnitt daraus errechnet, wollte die Kaufland-Sprecherin nicht sagen. Sie wies aber den Gedanken zurück, dass die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro in irgendeiner Weise die Entscheidung beeinflusst haben könnte. Für Kaufland selbst (nicht aber beim Tip Werbeverlag) gelte seit 2011 der hauseigene Mindestlohn von 9 Euro.

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