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Stellen gefährdet? : Kaufhof-Mitarbeiter zittern vor Fusion mit Karstadt

Der Zusammenschluss der beiden größten deutschen Warenhäuser steht kurz bevor. Das schürt Ängste vor einem drastischen Stellenabbau.

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          Für den Zusammenschluss der Warenhausketten Galeria Kaufhof und Karstadt sind fast alle formale Hürden genommen. Die kreditgebenden Banken haben dem geplanten Verbund zugestimmt, bestätigten am Donnerstag Teilnehmer der Verhandlungen. Wenn in den nächsten Tagen die zuständigen Gremien des Karstadt-Eigentümers Signa und des Kaufhof-Eigners HBC die Transaktion absegnen, steht der Gründung eines neuen Gemeinschaftsunternehmens nichts mehr im Wege.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch kurz vor Vollzug der Fusion sorgen Spekulationen über einen drastischen Stellenabbau für Unruhe in der Belegschaft. Angeblich stehen bei Kaufhof 5000 der insgesamt 20.000 Arbeitsplätze im Feuer. Den verbleibenden Mitarbeitern drohten im Zuge einer überfälligen Sanierung niedrigere Gehälter, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Kenner der Unternehmen halten solche Schätzungen jedoch für „unseriös und überzogen“, wenngleich ehrgeizige Sparvorgaben in Bankenkreisen kursieren.

          Einigung auf Fusion schon vor Monaten

          „Wir wissen von Stellenabbau nichts“, hält Günter Isemeyer, der als Bundesvorstand von Verdi für den Einzelhandel zuständig ist, dagegen. Die Belegschaft von Galeria Kaufhof schrumpft auch ohne stramme Sparziele kräftig: Ende 2017 standen bei der verlustreichen Warenhauskette noch 18.657 Mitarbeiter unter Vertrag, davon waren 15.379 Vollzeit-Beschäftigte. Aktuell sind es noch insgesamt 16.838 Beschäftigte und 14.222 Vollzeit-Stellen. „Die kolportierten Sparpläne basieren auf alten Daten“, vermutet ein Betriebsrat.

          Auf das Zusammengehen von Kaufhof und Karstadt hatten sich die Signa-Holding des österreichischen Karstadt-Eigentümers Rene Benko sowie der nordamerikanische HBC-Konzern schon vor Monaten vom Grundsatz her verständigt. Danach verzögerte die Klärung von Details bei diversen Kredit- und Immobiliengeschäften den schnellen Vollzug. Milliardär Benko hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, auch Kaufhof zu übernehmen. Bislang ohne Erfolg.

          Signa soll 51 Prozent der Anteile bekommen

          Inzwischen hat sich die Misere des Kölner Konzerns verschärft. Kaufhof leidet unter Verlusten, und der Eigner HBC steht auch in seinem Heimatmarkt unter Druck. Angesichts der ungewissen Zukunft liegen die Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag mit der Belegschaft auf Eis. Damit summieren sich für Kaufhof hohe Kosten, während die Erlöse sinken. Immer mehr Kunden kehren Warenhäusern den Rücken und bestellen lieber bei Online-Händlern wie Amazon oder Zalando.

          Sollten die Eigentümer die Fusion der beiden Warenhausketten tatsächlich bis zum 15. September besiegeln, würde das neue Gemeinschaftsunternehmen über ein Netz von 185 Filialen verfügen. Davon soll nach internen Plänen etwa ein Drittel der Standorte zur Disposition stehen, weil deren Geschäfte schlecht laufen. Dass dennoch eine größere Auslese ausbleiben wird, hat nach Angaben von Kennern mit den langen Laufzeiten der Mietverträge in den betroffenen Objekten zu tun. Daher ist mittelfristig die Aufgabe von bis zu 20 Standorten der neuen „Warenhaus AG“ realistisch.

          Signa soll künftig 51 Prozent der Anteile am neuen Unternehmen bekommen und das operative Geschäft mit seinem Handelsfachmann, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, steuern. HBC-Vertreter ziehen dagegen in den Aufsichtsrat ein. HBC würde nach einem Vollzug des Geschäftes rund eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Warenhaus-Immobilien zufließen, heißt es.

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