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Sanierung : Kaufhof-Mitarbeiter sollen auf Gehalt verzichten

  • -Aktualisiert am

Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen. Bild: EPA

Der Einzelhandel gerät durch Amazon und Co. zunehmend unter Druck. Galeria Kaufhof strebt jetzt einen neuen Tarifvertrag an – zulasten der Beschäftigten.

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          Den rund 21.500 Mitarbeitern des Kölner Warenhausunternehmens Galeria Kaufhof drohen ausgerechnet zu Beginn des Weihnachtsquartals böse Überraschungen. So hat die Geschäftsführung des zur kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC) gehörenden Unternehmens jetzt Gespräche mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über einen neuen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung aufgenommen. Mit den geplanten Gehaltseinschnitten zieht sie die Konsequenzen aus der angespannten Geschäftssituation. Begründet werden die Maßnahmen mit der anhaltend negativen Entwicklung im stationären Einzelhandel und einer starken Wettbewerbsverzerrung durch ungleiche Personalkosten innerhalb der Handelsbranche.

          Mit dem neuen Tarifvertrag wolle man kurzfristig notwendige Einsparungen erzielen und die Entgeltstrukturen so anpassen, dass die Schere zwischen Lohn- und Umsatzentwicklung bei Galeria Kaufhof nicht weiter auseinandergehe, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. „Unser Ziel ist, das Unternehmen wieder nachhaltig profitabel zu machen und für die Zukunft eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur zu schaffen“, begründete der Vorsitzende der Geschäftsführung Wolfgang Link den Schritt. Dazu zählten auch die Löhne. Zwar zeigten die Modernisierungsmaßnahmen in den Geschäften erste positive Effekte, aber insgesamt würden diese Maßnahmen allein nicht ausreichen. Wie der gesamte innerstädtische Einzelhandel beklagen auch die Warenhäuser die zunehmende Konkurrenz des Onlinehandels, eine entsprechend abnehmende Kundenfrequenz sowie schrumpfende Margen.

          Die ehemalige Metro-Tochtergesellschaft, die unter früherer Eigentümerschaft stets mit Gewinn gearbeitet hat, war im vergangenen Jahr insbesondere wegen eines katastrophalen Weihnachtsgeschäfts in die roten Zahlen gerutscht. Auch im bisherigen Jahresverlauf sind die Umsätze weiter geschrumpft, sodass das Jahresergebnis 2017 abermals schlecht ausfallen dürfte.

          Schon in diesem Frühjahr wurde in der Branche kolportiert, dass das Management einen Austritt aus dem Einzelhandelstarifvertrag prüft. Das über viele Jahre um die Sanierung ringende Essener Warenhausunternehmen Karstadt war vor vier Jahren aus Kostengründen aus dem Tarif ausgestiegen und hatte sich erst Ende 2016 mit der Gewerkschaft Verdi über eine Rückkehr verständigt. Insgesamt hat der Flächentarifvertrag seit geraumer Zeit an Bindekraft verloren. Etliche Unternehmen haben dem Flächentarif schon den Rücken gekehrt, darunter Unternehmen wie Real oder Globus. Einer früheren Studie des Ifo-Instituts zufolge dürfte rund ein Drittel der Betriebe im Einzelhandel tarifgebunden sein. Als ein wesentlicher Grund werden immer wieder die veralteten Lohnstrukturen im Tarifvertrag genannt.

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