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Kauf von Sybase geplant : SAP wagt Milliardenübernahme

SAP schlägt zu und kauft Sybase für sechs Milliarden Bild: dpa/dpaweb

Spektakulärer 6-Milliarden-Dollar-Deal: Der Verwaltungsrat des Datenbanksoftware-Unternehmens Sybase hat der Übernahme durch SAP zugestimmt. Der Walldorfer Softwarekonzern verschärft damit die Konkurrenz zum amerikanischen Erzrivalen Oracle.

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          Die neue Führungsspitze von SAP hat sich nicht viel Zeit gelassen, um zu ihrem ersten großen Schlag auszuholen: Der deutsche Softwarekonzern hat die Übernahme des kalifornischen Datenbankspezialisten Sybase Inc. für rund 5,3 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) in bar angekündigt. Inklusive der Übernahme von Schulden wird der Transaktionswert auf 5,8 Milliarden Dollar beziffert. Für SAP ist dies die zweitgrößte Akquisition in der Unternehmensgeschichte, nicht weit hinter dem Kauf des französisch-amerikanischen Softwarehauses Business Objects für 4,8 Milliarden Euro im Jahr 2007. Mit dieser Übernahme hatte SAP vor allem das Angebot an Analyse- und Planungssoftware vergrößert.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für Sybase greift SAP tief in die Tasche: Der Preis von 65 Dollar je Aktie entspricht einem Aufschlag von 56 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag, bevor Gerüchte über eine bevorstehende Übernahme den Kurs am Mittwoch in die Höhe schnellen ließen. Der hohe Kaufpreis belastete den Aktienkurs von SAP, der am Donnerstag im Handelsverlauf um knapp 2 Prozent auf 35,45 Euro sank.

          „Eine neue und mutigere SAP“

          SAP steht seit Februar unter neuer Führung: Leo Apotheker wurde damals abrupt als Vorstandsvorsitzender abgelöst, an seine Stelle rückte eine Doppelspitze aus Bill McDermott und Jim Hageman Snabe. McDermott sagte nun, die Übernahme demonstriere „eine neue und mutigere SAP“. Die Deutschen zeigen sich damit gerade im Wettbewerb mit dem Erzrivalen Oracle aggressiver. Während SAP traditionell eher auf organisches Wachstum setzt, hat Oracle in den vergangenen Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar für eine Serie von Übernahmen ausgegeben und sich damit zunehmend auf das Revier von SAP vorgewagt: Das Stammgebiet der Amerikaner sind Programme zur Speicherung und Verwaltung von Daten, SAP ist auf Unternehmenssoftware spezialisiert, mit der betriebswirtschaftliche Prozesse wie Einkauf, Vertrieb oder Finanzwesen gesteuert werden. Zu den Zukäufen von Oracle gehörten mehrere Anbieter solcher Unternehmenssoftware wie Peoplesoft und Siebel.

          Sybase wiederum ist auf Datenbanksysteme spezialisiert und konkurriert mit Oracle sowie anderen Anbietern wie IBM und Microsoft. SAP stößt mit Sybase also direkt in das Stammgeschäft von Oracle vor. Die wahre Motivation für die Akquisition liegt nach Beschreibung der SAP-Führung aber nicht in den Datenbankprogrammen von Sybase. Die Amerikaner haben sich in den vergangenen Jahren mit mobilen Lösungen einen Namen gemacht, die Unternehmensdaten zum Beispiel auf Internethandys wie dem Blackberry verfügbar machen.

          Hier sieht SAP einen Wachstumsmarkt. Jim Hageman Snabe sagte, Ziel der angestrebten Übernahme sei es, „den Kunden Geschäftsdaten jederzeit auf jedes Gerät zu bringen.“ Die Finanzierung der anvisierten Übernahme habe binnen weniger Wochen sichergestellt werden können, sagte Finanzvorstand Werner Brandt. Die Akquisition soll aus einem von der Deutschen Bank und Barclays bereitgestellten Kredit von 2,75 Milliarden Euro sowie eigenen Barmitteln finanziert werden. Der Kauf passt nach Einschätzung von Paul Hamerman vom Analystenhaus Forrester in die Strategie von SAP. Der Konzern suche seit einiger Zeit nach einem eigenen Datenbanksystem und wolle verstärkt Lösungen für mobile Computer anbieten. SAP könnte damit auch Zugang zu neuen Kundengruppen wie Banken gewinnen.

          SAP verspricht sich einen Umsatzschub

          Darüber hinaus verspricht sich der SAP-Vorstand mittelfristig einen Umsatzschub. Denn die Wirtschaftskrise hat Spuren in der Ergebnisrechnung von SAP hinterlassen. Der Umsatz war 2009 um 8 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro gesunken. Der Betriebsgewinn ging um 7 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zurück. Das Unternehmen lieferte sich einen Streit mit seinen Kunden um Preiserhöhungen für Dienstleistungen. Oracle kam besser durch die Krise und heizte den Wettbewerb zuletzt mit der Übernahme des Computerherstellers Sun Microsystems weiter an. SAP zog mit dem Führungswechsel im Februar die Konsequenzen.

          Mit dem Kauf von Sybase könnte die neue SAP-Doppelspitze ihrem Ziel nahe kommen, Oracle im Zaum zu halten, 2010 um bis zu 8 und 2011 um mehr als 10 Prozent zu wachsen sowie Schrittmacher in der technischen Entwicklung zu bleiben. Im Mobilbereich, auf die sich Sybase spezialisiert hat, haben von IBM bis HP, Oracle und SAP alle großen Anbieter von Firmensoftware bislang noch Lücken in ihren Angeboten. Bislang hatte SAP keinen Weg gefunden, Oracle im Datenbankgeschäft zuzusetzen. Viele SAP-Systeme wie die Analyseprogramme R3 oder Business Suite setzen auch heute noch auf Oracle-Datenbanken auf.

          Sybase soll nach der Übernahme als eigenständige Einheit im SAP-Konzern geführt werden. Sybase-Vorstandsvorsitzender John Chen soll auch in den SAP-Vorstand aufrücken. SAP hofft nach eigenen Angaben, die Übernahme noch im dritten Quartal dieses Jahres abschließen zu können. Sybase hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 164 Millionen Dollar erzielt. SAP kam auf einen Umsatz von 10,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,9 Milliarden Euro.

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