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Kauf der Klöckner-Werke : Gemischtwaren von Salzgitter

Salzgitter - lupenreiner Stahlkonzern Bild: dpa

Die Salzgitter AG kauft die Klöckner-Werke und steigt damit in den Maschinen- und Anlagenbau ein. Wieso bloß? Geschäftlich ist das unsinnig. Doch vielleicht steckt Furcht vor einer Übernahme dahinter. Ein Kommentar von Johannes Ritter.

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          Was hat sich Wolfgang Leese wohl dabei gedacht? Die von ihm erfolgreich geführte Salzgitter AG kauft die Klöckner-Werke und steigt damit in den Maschinen- und Anlagenbau ein.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Für den lupenreinen Stahlkonzern ist das geschäftlich unsinnig. Der ertragsschwache Neuling im Konzernverbund verwässert die operativen Margen. Salzgitter versteht nichts von Abfüll- und Verpackungsanlagen. Woher also soll das Vertrauen kommen, dass die Klöckner-Rendite unter neuer Flagge schon bald nach oben getrieben werden kann?

          Furcht vor einer Übernahme?

          Es muss also andere Gründe für diesen Kauf geben. Und die sind übergeordneter Natur. Salzgitter verdient prächtig und hat mehr als 2 Milliarden Euro in der Kasse. Trotz des rasant gestiegenen Börsenkurses weckt das Begehrlichkeiten.

          Das Land Niedersachsen verfügt zwar über ein Viertel der Aktien und hat damit eine Sperrminorität. Aber erstens weiß niemand, ob diese Treue wirklich von Dauer ist. Und zweitens könnte sich ein interessierter Investor (zunächst) auch mit einer einfachen Mehrheit zufriedengeben. Aus Furcht vor einer Übernahme also könnte Leese nun dazu verleitet sein, seine kapitalstarke Bilanz durch (fremdfinanzierte) Zukäufe zu verschlechtern.

          Da die Unternehmenspreise im angestammten Stahlgeschäft im Moment jenseits von Gut und Böse sind, greift er woanders zu. Diese Defensivstrategie birgt Risiken: Wenn Salzgitter zu einem Gemischtwarenladen wird, dürfte sich so mancher Aktionär verschreckt abwenden.

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