https://www.faz.net/-gqe-9444i

Nach Beschwerden : Kartellamt prüft Preisbildung von Lufthansa-Tickets

  • Aktualisiert am

Teure Tickets? Damit beschäftigt sich nun das Kartellamt. Bild: dpa

Viele Reisende beobachteten einen Preisanstieg von Lufthansa-Tickets nach dem Air-Berlin-Aus. Damit befasst sich nun das Kartellamt.

          Der nach dem Aus von Air Berlin zu beobachtende Preisanstieg für deutsche Inlandsflüge beschäftigt das Bundeskartellamt. Während der Verkauf von Geschäftseinheiten der insolventen Fluggesellschaft von der Europäischen Kommission geprüft wird, geht es den Bonner Wettbewerbshütern um die Frage, ob die Deutsche Lufthansa in der Übergangszeit ihre starke Marktstellung missbraucht.

          „Wir haben die Deutsche Lufthansa gebeten, uns Informationen über ihre Preissetzung zur Verfügung zu stellen. Wir werden uns die Daten ansehen und dann darüber entscheiden, ob wir ein Verfahren einleiten“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der Deutschen Presseagentur. Üblicherweise zeigt sich in solchen Fällen erst im Dialog mit den Unternehmen, in welche Richtung die Datenabfrage zielen und wie das Kartellamt seine Prüfung konkret anlegen wird.

          Das dürfte erst recht für diesen Fall gelten. Denn die Gestaltung der Ticketpreise ist komplex. Es gibt nicht „den einen Preis“, den man mit dem vor vier Monaten vergleichen könnte. Die Kartellwächter werden sich vielmehr auf das komplette Gefüge der Preisbildung einer Fluggesellschaft konzentrieren müssen, das auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage blitzschnell reagiert. Wie zu erwarten, sind bei der Behörde Beschwerden von Passagieren eingegangen, die sich von der Lufthansa über den Tisch gezogen fühlen.

          Nach dem Scheitern von Air Berlin fehlen 81 Flugzeuge, beziehungsweise 60.000 Sitze am Tag. Zwar sei absehbar gewesen, dass dann die Preise nach oben schießen würden und der Wettbewerb nur eingeschränkt funktioniere. Doch Verbraucherschützer fürchten, dass die Lufthansa ihre Marktmacht auf manchen Inlandsstrecken ausnutzt. Dem widersprechen Fachleute: „Die Lufthansa hat ihre Preise nicht erhöht“, hatte Gerd Pontius, Gründer des Luftfahrtspezialisten Prologis in Hamburg dieser Zeitung gesagt. Es habe sich 2017 auch die Reisetätigkeit erhöht. Ein Nachfrageschub also, auf den selbst der deutsche Platzhirsch nicht kurzfristig reagieren kann.

          Dass die Lufthansa auf einen Strecken im Inland zum Monopolisten aufrückte, hat mit dem Umstand zu tun, dass sich dort etliche Konkurrenten aus Kostengründen zurückzogen. Ryanair gab freiwillig den Pendelverkehr zwischen Köln/Bonn und Berlin auf, weil sich das Angebot nicht rechnete. Aus ähnlichen Gründen zogen sich die Rivalen Easyjet und Transavia von ihren Basen in Hamburg und München zurück.

          Weitere Themen

          Fluch oder Segen im Verkehr? Video-Seite öffnen

          Drei Monate E-Scooter : Fluch oder Segen im Verkehr?

          E-Scooter sollten für mehr klimafreundliche Mobilität in den Städten sorgen, stattdessen sind die Elektro-Tretroller für viele ein weiteres Verkehrs-Ärgernis. Nach drei Monaten auf deutschen Straßen und Gehwegen scheiden sich an den Flitzern auf zwei Rädern die Geister.

          Thomas Cook kämpft ums Überleben

          Ältester Touristikkonzern : Thomas Cook kämpft ums Überleben

          600.000 Touristen könnten betroffen sein von einer Insolvenz des Reisekonzerns. Nun versucht der Verwaltungsrat, das Schlimmste zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch. Immerhin versprach Condor nun, der Flugbetrieb weiter aufrecht zu halten.

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.