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Karstadts Zukunft : „Es gibt Interessenten aus dem In- und Ausland“

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„Wir sprechen mit ernsthaft interessierten Bietern, die ihr Konzept auch finanzieren können” Bild: dpa

Klaus Hubert Görg hat mit dem gescheiterten Verkauf des Versandhauses Quelle auch persönlich eine Niederlage hingenommen. Der Insolvenzverwalter von Arcandor/Quelle musste sich viel Kritik über sein Vorgehen anhören. Im F.A.Z.-Interview spricht Görg über die Kritik und die Erfolgschancen von Karstadt.

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          Klaus Hubert Görg hat mit dem gescheiterten Verkauf des Versandhauses Quelle auch persönlich eine Niederlage hingenommen. Görg musste sich von allen Seiten viel Kritik über sein Vorgehen anhören. Erstmals äußert er sich zur Kritik an ihm und den Erfolgschancen von Karstadt.

          Herr Görg, wann gehen bei Quelle die Lichter aus?

          Das hängt wesentlich von der Nachfrage der Kunden sowie dem Verhalten der Lieferanten und der besicherten Gläubiger ab. Wir werden versuchen, das Geschäft ordentlich abzuwickeln. Ob das aber bis Weihnachten geht, wie vielerorts vermutet, muss sich zeigen.

          Gerüchte sind aufgekommen, wonach Interessenten für Teile von Quelle auf den Plan getreten sind. Was ist dran?

          Derzeit bringen sich einige Interessenten selbst ins Spiel, die teilweise auch auf Schnäppchen hoffen. Wir sprechen mit ernsthaft interessierten Bietern, die ihr Konzept auch finanzieren können.

          Abwickeln heißt: das Lager auflösen?

          Vor allem. Der Versand ist im Vergleich zum stationären Handel viel schwieriger. Er ist wegen des logistischen Apparats und seiner gewaltigen Informationstechnik mit hohen Fixkosten verbunden. Die sind schwer dem sinkenden Umsatz anzupassen. Interimistisch müssen wir auch Ost-Europa versorgen.

          Wollen Sie etwa für die Versorgung des unverändert laufenden Osteuropa-Geschäftes Dritte beauftragen?

          Wir sind zwar auch mit Verwertern im Gespräch. Eine Versteigerung kommt angesichts der Vielfalt von 18 Millionen Artikeln aber nicht in Frage. Die liegen meist im Hochregallager. Undenkbar.

          Sehen Sie sich als Gegenstand eines Pokerspiels der vermeintlich vier ernsthaften Interessenten für Primondo/Quelle?

          Gepokert haben die sicherlich nicht, auch nicht gespielt. Dafür habe ich keine Indikation . . .

          . . . aber Sie haben am Donnerstag vor einer Woche, als Ihnen schon drei Finanzinvestoren abhandengekommen waren, noch Optimismus verbreitet?

          Einer der Bieter hat seine Ablehnung sogar schriftlich begründet. Aber selbst zu dem Zeitpunkt durfte ich meinen vorsichtigen Optimismus nicht aufgeben. Denn die Sache war nicht aussichtslos. Schließlich gab es noch am Wochenende ernsthafte und intensive Verhandlungen mit einem Konsortium von Quelle-Partnern. Man sollte die Hoffnung, solange es solche noch gibt, nie zerstören und schon gar nicht nach außen tragen. Nachdem wir den Massekredit erhalten hatten, waren wir es allen Beteiligten schuldig, den Versuch zu unternehmen, die Quelle zu verkaufen. Das war aussichtsreich. Die Quelle ist eines der bekanntesten Handelshäuser. So was lässt man nicht sang- und klanglos untergehen.

          Müssen Sie sich Fehler, Versäumnisse und Fehleinschätzungen vorwerfen?

          Fehler und Versäumnisse nicht, aber Fehleinschätzung schon. Wenn man ein Gut für verkäuflich hält, das aber misslingt, ist das klar eine Fehleinschätzung. Aber mir wären doch viel mehr Vorwürfe gemacht worden, wenn ich Quelle sofort mit der Kündigung des Factorings am 10. Juni abgewickelt hätte. Mit aller möglichen Leute Hilfe haben wir einen Bieterprozess erreichen können. Es gab keine Alternative dazu, die Chancen zu nutzen, den Verbund zu verkaufen. Auch wenn der Versuch am Ende scheiterte.

          Haben Sie mit so viel Kritik an Ihrer Person gerechnet?

          Die habe ich für unvermeidbar gehalten. Denn dieses Verfahren war von vornherein keine Vergnügungsreise. Solche Botschaften sind nicht einfach und wenden sich gegen den, der sie überbringt.

          Nun wollen Sie sogar auf Honorar verzichten?

          Das hat nichts mit der scharfen Kritik zu tun. Und es ist auch kein Verzicht. Da geht es um Sicherheiten, die KfW, die bayerische LfA und die Sächsische Aufbaubank für den im Sommer erteilten Massekredit über 50 Millionen Euro verlangt haben. Gegenüber diesen Forderungen bin ich mit meinen Vergütungsansprüchen schon im Juni zurückgetreten, um den Massekredit zu ermöglichen. Ich hoffe aber schon, dass die Steuerzahler die 50 Millionen Euro zurückbekommen und wir danach eine Vergütung.

          Ist also genügend Masse da, können Sie die Ansprüche der Gläubiger bedienen?

          Das kann ich noch nicht sagen.

          Wie viele Gläubiger gibt es?

          So viele Finger habe ich nicht. In den insgesamt 37 Verfahren sind es wohl 75 000.

          Ihr Rangrücktritt gilt nur für Quelle?

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