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Karstadt : Valovis-Bank will direkt mit Berggruen verhandeln

Risiko einer „erheblichen Wertminderung”: Karstadt-Warenhäuser Bild: dpa

Der designierte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen hat Forderungen gestellt, denen Karstadts größter Gläubiger nicht nachgeben will. Der Kreditgeber befürchtet hohe Risiken.

          Im zähen Ringen um die Zukunft der Karstadt-Warenhäuser hat sich die Essener Valovis-Bank zu Wort gemeldet. Sie hat als einer der größten Gläubiger des Highstreet-Konsortiums 53 Karstadt-Immobilien für 850 Millionen Euro finanziert. Der designierte Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen stelle Forderungen, die die Bank nicht erfüllen könne, da sie zu große Risiken mit sich brächten, sagte Rechtsanwalt Hanns-Eberhard Schleyer, der Valovis berät, in einer Telefonkonferenz.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Die Bank, die dem Karstadt-Quelle-Mitarbeitertrust gehört, will nun in Kürze direkt mit Berggruen - ohne den Vermieter Highstreet - über eine Lösung für die insolvente Warenhauskette verhandeln. „Das ist eine Frage von Stunden oder Tagen“, sagte Schleyer. Ein Sprecher Berggruens begrüßte das Gesprächsangebot.

          Gefahr der „erheblichen Mietminderung“

          Bereits zugestimmt hat die Valovis-Bank den von Berggruen geforderten Mietsenkungen. Danach sollen die Mieten für die 36 Häuser und 17 zugehörigen Immobilien von jährlich 141 auf 112 Millionen Euro sinken, um dann bis 2017 auf 129 Millionen Euro zu steigen, wie Schleyer erläuterte. Auch gegen die Aufteilung in die drei Geschäftsbereiche Premium-Häuser, Sporthäuser und übrige Warenhäuser sperre sich die Bank nicht.

          Keinesfalls zustimmen will Valovis aber der Forderung Berggruens, die Mietreduktionen als sogenannte Mieterdienstbarkeiten erstrangig im Grundbuch festzuschreiben. Dadurch hätten die gesenkten Mieten auch im Fall eines Weiterverkaufs von Karstadt oder im Fall der Insolvenz weiter Bestand. Für die Bank, die ihr Engagement bisher durch erstrangige Grundschulden ausreichend besichert sieht, brächte dies die Gefahr einer „erheblichen Wertminderung“ der Immobilien mit sich, erläuterte der Valovis-Rechtsberater. Wenn etwas schiefgehe, hätte dies Auswirkungen auf den Kredit von 850 Millionen Euro, sagte Schleyer. Er befürchte große haftungs- und aufsichtsrechtliche Schwierigkeiten für Valovis, „wenn Karstadt als Ganzes oder in Teilen in Schwierigkeiten geraten würde“. Bedenken hegt die Bank in dieser Hinsicht vor allem für die Sparte der übrigen Warenhäuser. Es gehe nicht an, sagte Schleyer, dass an dieser Situation wieder eine Bank in Schwierigkeiten gerate. Nach der Insolvenz der Karstadt-Konzernmuttergesellschaft Arcandor war die Privatbank Sal. Oppenheim ins Straucheln geraten und von der Deutschen Bank übernommen worden.

          Wirtschaftsminister Brüderle will kein Vermittler sein

          Wenn Berggruen Karstadt, wie bekundet, als langfristige Investition sehe, gebe es keinen betriebswirtschaftlichen Grund für die Mieterdienstbarkeiten, sagte Schleyer. Die Forderung bezeichnete er als „generelles Problem“ für die Gläubiger des Vermieterkonsortiums High-street, dem 86 der 120 Warenhäuser gehören und hinter dem unter anderem Fonds der Deutschen Bank und von Goldman Sachs stehen. Angesprochen auf die Quelle-Insolvenz sagte Schleyer, es bestehe kein Grund für Misstrauen gegenüber Valovis. Die Bank hatte im vergangenen Sommer die Kundenforderungen von Quelle nicht mehr vorfinanzieren wollen.

          Unklar war am Dienstag, ob ein Verstreichen der von Berggruen gesetzten Frist Folgen haben würde. Er hatte verlangt, dass bis Dienstag, 24 Uhr, eine Einladung an alle Highstreet-Gläubiger verschickt wird, damit diese rechtzeitig über die Mietverträge entscheiden können. Von Seiten des Insolvenzverwalters gebe es keine Konsequenzen, stellte dessen Sprecher klar.

          Unterdessen hat SPD-Chef Sigmar Gabriel Wirtschaftsminister Rainer Brüderle vorgeworfen, er gefährde mit der Ablehnung einer Vermittlerrolle die Verhandlungen um Karstadt. Berggruen hatte die Politik um Hilfe gebeten. Brüderle lehnt ein Eingreifen jedoch ab. Am 16. Juli soll das Amtsgericht Essen über den Insolvenzplan entscheiden. Es wird jedoch spekuliert, dass sich dieser Termin abermals verschieben könnte.

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