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Karstadt und Kaufhof : Die Warenhausallianz würde 40 Filialen schließen

  • -Aktualisiert am

Kaufhof und Karstadt: Von einer Fusion wären rund 5000 Vollzeitkräfte betroffen Bild: dpa

Sollten sich Karstadt und Kaufhof zusammentun, blieben 160 der mehr als 200 Filialen erhalten. Auch Häuser des Kölner Kaufhofs stünden zur Disposition. Unterdessen erhält Arcandor Zuspruch von seinen Geschäftspartnern.

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          Ein Zusammengehen der beiden Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof hätte voraussichtlich die Aufgabe von rund 40 Filialen zur Folge. Davon betroffen wären rund 5000 Vollzeitkräfte, heißt es im Umfeld des Metro-Konzerns. Diese Zahlen, so verlautet in Regierungskreisen, soll der Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes auch in seinen Gesprächen in Berlin vorgetragen haben. Cordes hatte Mitte Mai mit Plänen zur Bildung einer Deutschen Warenhaus AG überrascht (siehe Warenhäuser: Kaufhof will Karstadt). Arbeitsgruppen arbeiten inzwischen daran, das Modell mit konkreteren Zahlen auszufüllen. Danach würde ein neues Kaufhausgebilde mit rund 160 Warenhäusern und 41 Sporthäusern entstehen, das einen Jahresumsatz von rund 6,5 Milliarden Euro repräsentiert und nach Überzeugung des Metro-Managements langfristig überlebensfähig wäre.

          Derzeit betreibt der Kölner Kaufhof 109 Warenhäuser. Zum Netz des Mitbewerbers Karstadt gehören heute rund 90 Warenhausfilialen, von denen nach dem Sanierungsprogramm des Vorstandsvorsitzenden Karl-Gerhard Eick allerdings ohnehin rund ein Zehntel in eine gesonderte Verwertungseinheit ausgegliedert und später verkauft werden soll. Auf Vollzeitbasis umgerechnet beschäftigen die beiden Unternehmen zusammen rund 38.000 Mitarbeiter. Die von beiden Unternehmen betriebenen Sporthaus-Ketten blieben nach den derzeitigen Plänen unangetastet. Da das Metro-Konzept nur die Übernahme des operativen Geschäftes von Karstadt vorsieht, fielen jedoch auch Arbeitsplätze in der Zentrale weg.

          Überschneidungen in 32 Städten

          Bei der Realisierung der Warenhausallianz kämen allerdings nicht nur Karstadt-Häuser auf den Prüfstand, heißt es. Von den derzeit ausgemachten 40 Häusern stammten vielmehr zehn Filialen mit rund 1000 Planstellen aus dem Netz von Kaufhof. Die Überschneidungen zwischen beiden Warenhausketten sind nach früheren Aussagen des Kaufhof-Chefs Lovro Mandac nicht übermäßig groß. Lediglich in 32 der etwas mehr als 120 Städte, in denen sein Unternehmen vertreten sei, gebe es sowohl Standorte von Kaufhof als auch von Karstadt. Rund ein Dutzend der frei werdenden Häuser dürfte laut Metro für andere Konzerngesellschaften wie Media/Saturn in Frage kommen. Die bisherigen mehr auf das operative Geschäft und noch nicht detailliert auf künftige Eigentümerstrukturen abstellenden Entwürfe stehen allerdings unter Vorbehalt. Denn die damit befassten Teams haben noch nicht in die Bücher von Karstadt geschaut. Derzeit geht man bei Metro offenbar davon aus, dass die zu erwartenden Restrukturierungskosten durch Synergien mehr als aufgefangen werden können.

          Cordes wehrt sich gegen Staatshilfen für den Wettbewerber Arcandor. Er fürchtet Wettbewerbsverzerrungen und wirbt für eine privatwirtschaftliche Lösung. Arcandor indessen pocht auf Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro, um "auf Augenhöhe" verhandeln zu können. Die Insolvenz von Karstadt oder Arcandor dürfe nicht Grundlage für weitere Gespräche zur Schaffung einer deutschen Warenhausgesellschaft sein, lautet die Position von Eick. Die Gewährung der Staatshilfe, deren Antrag Eick am Donnerstagnachmittag in Berlin vor dem Bürgschaftsausschuss der Bundesregierung erläutert hat, ist Voraussetzung dafür, dass Arcandor zusätzliche Unterstützung aus der Privatwirtschaft erhält. So hat die Bankiersfamilie Oppenheim, die rund 30 Prozent der Arcandor-Aktien hält, signalisiert, im Rahmen ihrer Beteiligung an einer Kapitalzufuhr von bis zu 100 Millionen Euro mitzuwirken. Außerdem würde die Bank in diesem Fall mit weiteren Krediten zur Verfügung stehen. Aus dem Kreis der Lieferanten, Vermieter und weiterer Geschäftspartner wurden nach Angaben des Unternehmenssprechers Hilfen im Umfang von rund 250 Millionen Euro zugesichert. Zudem hat Eick die italienische Bank Mediobanca dazu gewinnen können, sich mit 40 Millionen Euro an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen.

          Auch am Donnerstag haben sich Karstadt-Mitarbeiter für die Gewährung staatlicher Hilfe starkgemacht. Vor dem Landtag in Düsseldorf kamen rund tausend Beschäftigte aus ganz Nordrhein-Westfalen zu einer Kundgebung zusammen. Am Vortag hatten mehrere tausend Arcandor-Beschäftigte vor dem Bundeswirtschaftsministerium in Berlin für die Bürgschaft geworben. Sie fürchten, dass bei einer Insolvenz des Konzerns bei den beiden Tochterunternehmen Karstadt und Primondo weit mehr als 50.000 Arbeitsplätze bedroht sind. Von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erhielten sie die Zusage, dass der Antrag zügig und vertrauensvoll geprüft werde.

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