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Karstadt stellt Mietzahlungen ein : Merkel lehnt Staatshilfe für Arcandor ab

  • Aktualisiert am

Auch für Karstadt wird es immer enger Bild: dpa

Die finanzielle Situation des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor ist weitaus bedrohlicher als bisher bekannt. Das Unternehmen hat seine Mietzahlungen eingestellt. Dennoch lehnt nun auch Kanzlerin Merkel Staatshilfen ab. Sie spricht von Missmanagement.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt derzeit Staatshilfen für den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ab. „Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild am Sonntag“. Teile des Konzerns wie der Touristikbereich seien wirtschaftlich gesund. „Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor über Staatshilfen nachgedacht wird.“

          Arcandor hat nach Informationen der F.A.Z. seine Mietzahlungen für seine Karstadt-Warenhäuser eingestellt. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick hat dies offenbar beim Krisentreffen im Wirtschaftsministerium mit Vertretern von Gläubigerbanken, Aktionären und Immobilieneigentümern eingeräumt. Die finanzielle Situation des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor ist somit noch bedrohlicher als bisher bekannt.

          Merkel: „Missmanagement“

          Seit dem Verkauf seiner Warenhäuser vor zwei Jahren ist der Karstadt-Mutterkonzern nur noch Mieter. Haupt-Eigentümer ist seit zwei Jahren die Immobiliengesellschaft Highstreet.

          Merkel warf Arcandor Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen, zum Beispiel bei den Mietverträgen, vor. „Da ist es überhaupt nicht einzusehen, warum manche in der SPD den deutschen Steuerzahler mit einem Risiko belasten wollen und nicht vielmehr an diesen Ursachen ansetzen.“ Die Standorte von Karstadt seien attraktiv, so dass für viele eine Fortführung wahrscheinlich sei, wenn die Eigentümer und die Gläubiger einen Beitrag leisteten. „Ich empfinde es aber als Zumutung, wenn Leute nach dem Staat rufen, die selbst etwas tun müssen.“

          Arcandor soll lieber mit Metro reden

          Stattdessen forderte Merkel die Geschäftsführung auf, Gespräche mit dem Konkurrenzkonzern Metro über eine Fusion der beiden Ketten zu führen. „Es gibt zum Beispiel andere Unternehmen wie die Kaufhof-Betreiber, die Interesse an den Karstadt-Häusern haben. Ich rate der Geschäftsleitung sehr dazu, die entsprechenden Gespräche zu führen und nicht zu versuchen, stattdessen allein den Staat unter Druck zu setzen.“

          Arcandor ist zwar bereits in Gesprächen mit Metro. Doch Unternehmenschef Karl-Gerhard Eick sieht eine schnelle Fusion skeptisch und nur als mittelfristige Lösung. Metro will bei einer Karstadt-Übernahme 40 Warenhäuser in Deutschland schließen. Betroffen wären 10 Filialen der eigenen Tochter Kaufhof und 30 Karstadt-Häuser. Damit würden rund 5000 Vollzeitstellen wegfallen. Insgesamt betreiben beide Ketten derzeit in Deutschland 206 Warenhäuser.

          Auch der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, ist ausgesprochen skeptisch, was Staatshilfen für Arcandor angeht. Ramsauer sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Im Fall Arcandor muss gelten: Ein Unternehmen muss erst alle ihm verfügbaren eigenen Sanierungsreserven ausschöpfen. Diese scheinen innerhalb des Konzerns, dem Arcandor angehört, bei weitem noch nicht hinreichend ausgeschöpft zu sein.“

          Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hatte dagegen am Freitag nach einem Treffen mit Gewerkschaftern und Betriebsratsvorsitzenden von Karstadt-Standorten darauf gedrungen, dass die beantragte Rettungsbeihilfe für Arcandor schnellstmöglich bewilligt werde. Auch müsse weiter geprüft werden, ob für Arcandor nicht Mittel aus dem Deutschlandfonds in Frage kämen.


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