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Karstadt-Quelle : Die Verschwiegene

  • -Aktualisiert am

Madeleine Schickedanz mit Schauspielerin Veronica Ferres Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Nach einem kurzen Aufschwung ging der Karstadt-Quelle-Aktie rasch die Luft aus. Das Unternehmen hatte dementiert, den Rückzug von der Börse vorzubereiten. Einen solchen Plan faßt Großaktionärin Madeleine Schickedanz nicht ins Auge - noch nicht.

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          Wohl mit gemischten Gefühlen blickt Madeleine Schickedanz auf den steil aufragenden Ast im Kursbild der Karstadt-Quelle-Aktie. Freuen kann sie sich als Großaktionärin des größten deutschen Warenhauskonzerns über den fulminanten Kursanstieg um 50 Prozent seit Anfang Dezember. Schließlich zählt es zu ihren Vorgaben an den Vorstand, den Börsenwert zu steigern. Außerdem haben sich ihre Aktienkäufe in mehreren großen Happen im vergangenen Jahr zumindest aus heutiger Sicht als lohnenswerte Anlage herausgestellt. Sie kaufte die Anteile zu Kursen von 9 bis 11 Euro.

          Am Dienstag trieben die allerjüngsten der schon alten Spekulationen über ein Übernahmeangebot an die anderen Aktionäre den Börsenpreis für eine Karstadt-Quelle-Aktie zunächst auf mehr als 16 Euro.

          Welche Ziele hat die Milliardärin?

          Doch dem kurzen Aufschwung ging rasch die Luft aus, nachdem das Unternehmen dementiert hatte, Goldman Sachs oder eine andere Investmentbank hätten einen Auftrag bekommen, den Rückzug von Karstadt-Quelle von der Börse vorzubereiten. Einen solchen Plan faßt Madeleine Schickedanz derzeit offenbar nicht ins Auge - noch nicht hinzuzufügen ist vermutlich nicht verkehrt. Ein weiter steigender Aktienpreis würde ein Übernahmeangebot verteuern, weshalb sich die 62 Jahre alte Gesellschafterin über die jüngste Kursentwicklung wahrscheinlich nicht nur freuen kann. Daß sie eines Tages doch dieses Ziel verfolgt, schließen zum Beispiel auch Aufsichtsräte nicht aus.

          Seit Monaten wird gerätselt, welche Ziele die Milliardärin mit ihrer Beteiligung an Karstadt-Quelle verfolgt. Die im Mai 2005 erreichte Mehrheit hat der „Pool Madeleine Schickedanz“ - so die offizielle Bezeichnung - auf mehr als 58 Prozent ausgeweitet. Warum hat sie sich nicht mit etwas mehr als 50 Prozent begnügt? Wieviel sie insgesamt kontrolliert, ist ebenfalls nicht bekannt. 5,4 Prozent der Aktien hält das Unternehmen selbst. Außerdem besitzt die Schweizer Grisfonta AG Anteile. Leo Herl, der dritte Ehemann von Madeleine Schickedanz und Mitglied im Aufsichtsrat von Karstadt-Quelle, kontrolliert diese Gesellschaft. Zudem ist unklar, welche Rolle ihr Kreditgeber, die Privatbank Sal. Oppenheim, spielt und ob zumindest ein Teil ihrer Aktien beliehen ist.

          „Ich bin niemand für die Öffentlichkeit“

          Spekulationen über sich und ihre Pläne muß die Unternehmerin als Preis für ihre Verschwiegenheit hinnehmen. Da geht es ihr nicht besser als anderen deutschen Familienunternehmern wie den Quandts oder den Gesellschaftern der Wacker-Chemie, für die Zurückhaltung in der Öffentlichkeit als wichtigste Tugend erscheint.

          „Ich bin niemand für die Öffentlichkeit“, hat Madeleine Schickedanz einmal klargestellt. Ihre Besuche in Warenhäusern werden angemeldet. Ansonsten bevorzugt sie, sich an schöneren Orten aufzuhalten wie in ihren Domizilen in St. Moritz, am Tegernsee, in Spanien oder Frankreich. Ihre Eltern, Quelle-Gründer Gustav Schickedanz und dessen zweite Ehefrau Grete, gehörten zu den Symbolfiguren des deutschen Wirtschaftswunders. Für Madeleine, nach der 1978 ein Spezialkatalog für Bekleidung benannt wurde, nahmen sie sich wenig Zeit.

          Genug Stoff für die Klatschpresse

          Als prägendes Ereignis wird immer wieder die Leukämie-Erkrankung ihrer eigenen Tochter Caroline geschildert. Sieben Jahre lang mußte sie um ihr Leben bangen. Zum Dank für die Heilung Carolines gründete die Schickedanz-Erbin 1990 eine Kinder-Krebs-Stiftung. Für die Organisation tritt sie ab und zu ins Rampenlicht. Fotografen bekommen dort eine der seltenen Gelegenheiten, Aufnahmen von der distanziert erscheinenden Frau mit dem schüchternen Lächeln zu machen.

          Ihr Leben böte für die Klatschpresse mehr. Mit 22 Jahren hatte Madeleine Schickedanz ihr Betriebswirtschaftsstudium abgebrochen und Hans-Georg Mangold geheiratet, einen Nachbarn in Fürth. Er blieb bis zur Scheidung acht Jahre später in der Konzernführung. Wolfgang Bühler, ihr zweiter Ehemann, brachte es sogar bis zum Vorstandsvorsitzenden der Schickedanz-Holding. Ihr dritter Mann, Leo Herl, ist nun einer der wenigen, der ihre Pläne mit dem Karstadt-Quelle-Konzern kennt.

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