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Warenhauskette : Karstadt soll bald anders aussehen

  • -Aktualisiert am

Puppenbild mit Dame: Schaufenster von Karstadt auf der Zeil in Frankfurt am Main Bild: Wonge Bergmann

Karstadt galt mit seinem Haushaltswaren-Angebot lange als verstaubt. Jetzt sollen Möbel, Multimedia- und Elektroangebote hinzukommen. Und das Unternehmen hat noch mehr vor.

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          Wenn Stephan Fanderl Anfang April nach Dubai zum diesjährigen Welthandelskongress fliegt, hat er für internationale Handelsunternehmen ein attraktives Angebot im Gepäck: Der Geschäftsführungsvorsitzende der Essener Warenhausgruppe, der zugleich Mitglied der Geschäftsführung der österreichischen Karstadt-Muttergesellschaft Signa Retail ist, hat sich vorgenommen, Händler aus anderen Ländern bei einem möglichen Markteintritt in Deutschland zu unterstützen.

          Zu diesem Zweck möchte er Flächen in den Karstadt-Filialen zur Verfügung stellen und ihnen bei Bedarf auch mit der logistischen Infrastruktur und sonstigen Dienstleistungen bis hin zur Beratung unter die Arme greifen. „Wir wären eine gute Adresse für solche Unternehmen, die auf den attraktiven deutschen Markt kommen wollen, aber nicht über die erforderlichen Markterfahrungen verfügen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Dabei kommen für ihn sowohl reine Online-Anbieter als auch klassische stationäre Händler als potentielle Partner in Frage.

          Schon Möbel in drei Filialen

          „Das Warenhaus ist der einzige physische Marktplatz in der Stadt“, sagt Fanderl. „Warum sollen wir diesen Marktplatz nicht auch Dritten zur Verfügung stellen?“ Nach seinen Beobachtungen sucht der Kunde im Warenhaus nach wie vor ein umfassendes Sortiment, gemäß dem alten Leitspruch „alles unter einem Dach“. Früher habe in der Warenhausbranche die Meinung dominiert, alles selbst machen zu können. Das funktioniere aber nicht mehr, ist der Karstadt-Chef überzeugt. „Deshalb müssen wir mehr zu kooperativeren Geschäftsmodellen kommen. Denn als Marktplatz erweitern wir zugleich unser gesamtes Sortiment und kommen damit den Kundenwünschen nach mehr Auswahl entgegen.“

          Ihm geht es nach seiner Darstellung nicht darum, reiner Untervermieter von Flächen zu werden. Ohnehin sollen kaum mehr als 10 Prozent der insgesamt rund 1,2 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche an Dritte vermarktet werden. „Es geht uns um ein Marktplatzmodell mit starker Handelskompetenz“, sagt er vielmehr. Als ein Beispiel nennt er die Kooperation mit Who’s Perfect, einem Anbieter von Designermöbeln zu günstigen Preisen. So können Kunden inzwischen wieder in drei Karstadt-Filialen auch Möbel einkaufen.

          Online und offline besser verknüpfen

          Ein weiteres Sortiment, das nach Beobachtung des Karstadt-Managements inzwischen beim Einkauf im Warenhaus vermisst wird, sei beispielsweise auch der Bereich Elektro und Multimedia. Auch in diesem Segment kann sich Fanderl für bestimmte Filialen gezielte Partnerschaften vorstellen. Profitieren könne das Unternehmen dabei von seinem Wissen, das in den zurückliegenden Monaten aus einer intensiven Analyse der Kundendaten gewonnen worden sei, erläutert er.

          Wichtig ist Fanderl dabei die Vernetzung von Online- und Offline-Angeboten zu einem Multichannelangebot. „Wir wollen bei der Vermarktung von Ware kanalunabhängig werden und das Asset unserer 79 Warenhäuser noch besser mit der virtuellen Welt verknüpfen“, lautet sein Plan. Bisher macht der Online-Anteil am Umsatz in der gesamten Signa-Gruppe mehr als 10 Prozent aus, er soll weiter zweistellig wachsen. Nach Fanderls Worten informieren sich viele Kunden vielfach vor ihrem stationären Einkauf schon gezielt im Internet. Im Gegenzug werde es auch selbstverständlicher, dass Ware, die im Regal gerade nicht verfügbar ist, noch in der Filiale online bestellt wird.

          Wachstum gegen den allgemeinen Trend

          Die Karstadt-Muttergesellschaft Signa, unter deren Dach neben dem Essener Warenhausunternehmen als jeweils eigenständig agierende Unternehmen auch die Sporthäuser von Karstadt Sports sowie die Kadewe-Gruppe mit ihren drei Nobelkaufhäusern stehen, hatte zuletzt mehrere reine Online-Händler gekauft, darunter den Outlethändler Dress-for-less oder den Sportausrüster Outfitter, Tennis Point und Internetstores. Das Format Dress-for-less, das Markenmode zu reduzierten Preisen anbietet, soll in den kommenden Monaten in ersten Pilotfilialen auf Karstadt-Verkaufsflächen einziehen.

          Was mit Schwesterunternehmen aus der Signa-Gruppe möglich ist, wäre auch mit externen Händlern denkbar, meint Fanderl. Dabei komme Karstadt zupass, sich auf dem bevorstehenden Kongress in Dubai als ein wirtschaftlich wieder stabiler Kooperationspartner präsentieren zu können. Denn nach seinen Worten hat das Unternehmen das zurückliegende Geschäftsjahr mit einem operativen Gewinn von rund 52 Millionen Euro abgeschlossen. Im Geschäftsjahr 2016/17 lege Karstadt beim Umsatz wieder zu und wachse speziell im Modehandel sogar gegen den allgemeinen Markttrend. „Es gelingt uns, frühere Stammkunden zurückzugewinnen“, versichert er.

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