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Karstadt-Arbeitsdirektor : „Unsere Personalkosten werden sich in keinem Fall auf Discount-Level bewegen“

  • Aktualisiert am

Es kommt auf die Perspektive an: Karstadt-Filiale in Düsseldorf. Bild: dpa

Karstadt steht vor Einschnitten. Im März verschickt der Konzern Kündigungen. Es soll nicht so hart werden wie erwartet. Personalabbau ist nicht alles, sagt Karstadt-Arbeitsdirektor Müllenbach im Interview mit der FAZ.

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          Herr Müllenbach, Sie haben monatelang mit dem Betriebsrat um ein Sanierungsprogramm gerungen. Trügt der Eindruck, dass Sie Abstriche machen mussten?

          Es waren schwere und intensive Verhandlungen, und der Gesamtbetriebsrat war im Zusammenwirken mit Verdi ein harter, aber fairer Verhandlungspartner. Wir haben vereinbarungsgemäß mit Unterstützung einer Einigungsstelle um einen großen Kompromiss zum Wohle von Karstadt und der betroffenen Mitarbeiter gekämpft. Wichtig ist jetzt, dass wir eine Einigung erreicht haben, und zwar hundertprozentig im Zeitplan unserer Sanierung.

          Mit dem Plan, Verkaufsmitarbeiter zu niedriger entlohnten Regalbestückern umzugruppieren, haben Sie sich beispielsweise nicht durchgesetzt. Welche Erfolge können Sie vermelden?

          Karstadt-Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach

          Die Einigung sieht drei Kernpunkte vor. Beratung ist und bleibt ein wichtiger Kundenservice bei Karstadt. Damit sich die Mitarbeiter im Verkauf voll auf unsere Kunden konzentrieren können, bilden wir, wie geplant, spezialisierte Serviceteams für die Warenversorgung. Aber: Wir setzen auf Freiwilligkeit. Es wird keine Änderungskündigungen und keine Abgruppierungen geben, weil wir ein Potential an guten Mitarbeitern haben, die bereits heute gerne im Warenservice arbeiten - etwa weil die Arbeitszeit für die Mitarbeiter individuell besser passt. Und wir können Neueinstellungen zukünftig jederzeit speziell für die Warenserviceteams zu neuen Konditionen vornehmen.

          Und Punkt zwei der Einigung?

          Der zweite Punkt betrifft die Abfindungen für die Mitarbeiter, die wir im Rahmen der Sanierung leider entlassen müssen. Eins vorweg: Uns ist klar, wie schwer eine Kündigung für die betroffenen Mitarbeiter ist. Um Karstadt zu retten, ist dieser Personalabbau aber unvermeidlich. Für die Abfindungshöhe haben wir vereinbart, uns an den Regelfall von einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr zu halten. Das gibt sowohl den betroffenen Mitarbeitern als auch dem Unternehmen Sicherheit, denn wir haben damit eine feste Größe, mit der wir planen können. Die Kündigungen werden bereits im März dieses Jahres erfolgen. Damit realisieren wir ab Oktober, zum Beginn des Geschäftsjahres 2015/16, die ersten wichtigen Kosteneinsparungen. Auch hier sind wir zeitlich im Plan.

          Was passiert mit den Beschäftigten, die demnächst ihre Kündigung erhalten?

          Das ist der dritte Punkt, nämlich die Einrichtung einer Transfergesellschaft, auf die wir uns geeinigt haben, um von Kündigung betroffene Mitarbeiter bestmöglich weiterzuqualifizieren. Diese wird ab 1. Juni 2015 für die Mitarbeiter starten. Damit werden wir im Rahmen unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestalten. Unabhängig davon haben wir bis zum Beginn der Transfergesellschaft für rund 1000 Kolleginnen und Kollegen sozialverträgliche Lösungen für ihr Ausscheiden gefunden. Wir dürfen alle gemeinsam auf dieses Ergebnis wirklich stolz sein.

          Karstadt verkomme zu einem SB-Warenhaus, es seien schon heute zu wenig Mitarbeiter auf der Fläche, wird kritisiert. Wie wollen Sie künftig noch einen ausreichenden Service sicherstellen? Schließlich sollen die Kunden dazu animiert werden, mehr bei Karstadt zu kaufen.

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