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Karstadt : Metro-Chef bekräftigt Interesse

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Die Insolvenz als Chance begreifen Bild: AP

Nach dem Insolvenzantrag von Arcandor hat Metro-Chef Cordes am Dienstagabend das Interesse an den Karstadt-Warenhäusern bekräftigt und erwägt sogar einen Börsengang. Unterdessen greift SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier Wirtschaftsminister Guttenberg an: „Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen.“

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          Nach dem Insolvenzantrag von Arcandor hat Metro-Chef Eckhard Cordes sein Interesse an den Karstadt-Warenhäusern bekräftigt. „Wir wollen einen starken Kaufhauskonzern bauen“, sagte Cordes am Dienstagabend im ZDF und erwägt sogar einen Börsengang für das fusionierte Unternehmen. Unterdessen greift SPD-Kanzlerkandidat Walter Steinmeier in einem Interview Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an: „Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen.“

          Am Dienstagmittag hatte der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor den Kampf um staatliche Rettungsmaßnahmen aufgegeben und den Antrag gestellt, ein Planinsolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu eröffnen. Bis zuletzt hatte der Vorstand versucht, seine Großaktionäre, Banken und Vermieter zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen, um Forderungen der Bundesregierung nachzukommen. Die vom interministeriellen Ausschuss geforderte Verbesserung des Antrags auf Rettungsbeihilfe sei aber „nicht erreichbar“ gewesen, begründete Arcandor den Insolvenzantrag. „Damit bestand keine nachhaltige Finanzierungsperspektive mehr.“

          Angesichts kurzfristig fälliger Darlehen in Höhe von 710 Millionen Euro drohe zum 12. Juni die Zahlungsunfähigkeit. Betroffen sind rund 43 000 Mitarbeiter in Deutschland. Zahlreiche Beschäftigte verließen nach der Bekanntgabe schweigend und mit gesenkten Köpfen die Arcandor-Zentrale in Essen. Mit Kundgebungen und einer Unterschriftensammlung hatten Tausende Arcandor-Mitarbeiter versucht, die Bundesregierung zur Zahlung von Staatshilfe zu bewegen. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Gerhard Eick bedankte sich in einer Mitteilung für den Einsatz: „Wir werden auch im Rahmen des Insolvenzverfahrens darum kämpfen, möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten“, versprach er.

          Letzter Ausweg: Arcandor-Chef Eick (r.) und Insolvenz-Verwalter Görg
          Letzter Ausweg: Arcandor-Chef Eick (r.) und Insolvenz-Verwalter Görg : Bild: dpa

          Der operative Geschäftsbetrieb wird aufrechterhalten

          Die Gehälter sind durch die Zahlung von Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit für Juni, Juli und August gesichert. Im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens wird der operative Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, alle Bestellungen werden ausgeliefert, alle Garantien bleiben gültig. Der Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Er sei für alle vier Insolvenzverfahren zuständig, also das der Arcandor AG sowie der Tochterunternehmen Primondo, Karstadt Warenhaus und Quelle, teilte das Gericht mit.

          Horst Piepenburg wurde zum neuen Generalbevollmächtigen bestellt. Er soll die Sanierung des Gesamtkonzerns begleiten. Vom Verfahren unberührt sind der Touristikkonzern Thomas Cook, die Spezialversender der Primondo-Gruppe und der Fernseh-Shopping-Sender HSE 24. Thomas-Cook-Reisende oder Condor-Flugpassagiere müssen sich also derzeit keine Sorgen um ihre Reisen und Buchungen machen.

          Metro will „fairen Kaufpreis“ für Karstadt zahlen

          Der Handelskonzern Metro ist auch nach dem Antrag bereit, mit dem Konkurrenten über die Zusammenlegung der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt zu sprechen. Er spekuliere nicht auf Schnäppchenpreise, sagte Konzernchef Cordes am Dienstagabend dem ZDF.

          Vielmehr solle ein fairer Kaufpreis für 60 Warenhäuser gezahlt werden. Er wolle einen „starken europäischen deutschen Kaufhauskonzern bauen“, der rund 160 Häuser umfasse. Das fusionierte Unternehmen könne gegebenenfalls an die Börse gehen. Kartellrechtliche Bedenken habe er nicht.

          Im Wirtschaftsministerium zeigte man sich nicht überrascht

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