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Warenhauskonzern in der Krise : Galeria Karstadt Kaufhof verhandelt über Staatshilfe

  • -Aktualisiert am

Geschlossener Eingang einer Karstadt-Filiale in Düsseldorf Bild: dpa

Erst im Herbst hat Karstadt Kaufhof sein Insolvenzverfahren abgeschlossen. Doch durch die über Monate geschlossenen Warenhäusern rutscht das Unternehmen gleich wieder in Schwierigkeiten.

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          Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof soll mit der Bundesregierung über Finanzhilfen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro verhandeln. Das berichtet der „Spiegel“ unter Berufung auf „mit den Verhandlungen vertraute Personen“. Von Karstadt Kaufhof war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu bekommen, das Bundeswirtschaftsministerium äußert sich zu Verhandlungen mit einzelnen Unternehmen auf Anfrage nicht.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Der Warenhauskonzern braucht wegen der abermals geschlossenen Filialen dringend Geld, weil ihm die Kosten davon laufen. Karstadt Kaufhof verhandelt dem Bericht zufolge über ein nachrangiges Darlehen in Höhe von „deutlich unter einer halben Milliarde“ Euro.

          „Wenn wir plötzlich über weitere acht bis zehn Wochen Schließung der Läden reden, dann kann das kein Non-Food-Unternehmen ohne Staatshilfen überleben“, zitiert der Spiegel eine nicht näher genannte Unternehmensquelle. „Wir schauen in die Röhre bei den allgemeinen Hilfen.“ Die Überbrückungshilfe III können Unternehmen bis zu einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro in Anspruch nehmen, diesen Wert übersteigt der Warenhauskonzern freilich. Jede Woche soll das Unternehmen 60 Millionen Euro Umsatz verlieren. Im Frühjahr, bevor der Warenhauskonzern in die Insolvenz in Eigenverantwortung gerutscht ist, war im Unternehmen von bis zu 80 Millionen Euro in der Woche die Rede. Schon im Frühjahr 2020 hatte Karstadt Kaufhof wegen der geschlossenen Filialen über ein Darlehen der KfW verhandelt. Die Geldspritze scheiterte aber auch am Widerstand der Hausbanken, die Verhandlungen bezeichnete Karstadt Kaufhof damals als kompliziert.

          Von Schulden von 2 Milliarden Euro befreit

          Der Warenhauskonzern hat seitdem ein Insolvenzverfahren durchlaufen, das er Ende September abgeschlossen hatte. Dadurch konnte sich das Unternehmen von 2 Milliarden Euro Schulden befreien, was die Verhandlungen mit Banken nun vereinfachen könnte. Zu der Rettungsaktion des Warenhauskonzerns gehörten allerdings auch deutliche Einschnitte im Filialnetz: Ursprünglich sollten 62 Karstadt- und Kaufhof-Filialen schließen, nach Verhandlungen mit zahlreichen Vermietern über Mietkürzungen war die Zahl auf weniger als 50 gesunken. Auch die Zentrale in Essen mit insgesamt 1200 Mitarbeitern bleibt erhalten.

          Der Karstadt-Kaufhof-Chef Miguel Müllenbach hatte im Oktober im Gespräch mit der F.A.Z. noch gesagt, dass das Unternehmen schuldenfrei sei und sich ein Polster aufgebaut habe. Er warnte aber damals auch schon vor einem abermaligen Lockdown: „Wenn es großflächigere Schließungen gibt, haben wir kein Galeria-Karstadt-Kaufhof-Problem, sondern ein viel größeres“, sagte Müllenbach. „Dann ist der gesamte stationäre Einzelhandel betroffen - nebst Lieferanten und Dienstleistern mit jeweils eigenen zigtausend Jobs.“

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